G20 trotzt Trump: Geeint gegen Krieg, Krankheit, Armut Von Kristin Palitza und Jörg Blank, dpa
23.11.2025 10:21
Mit dem US-Präsidenten boykottiert das wichtigste Mitglied den ersten
G20-Gipfel in Afrika. Dennoch einigt sich die Runde auf ehrgeizige
Ziele. Doch was sind die Beschlüsse wert?
Johannesburg (dpa) - Die G20-Gruppe bekennt sich bei ihrem ersten
Gipfel in Afrika zur Zusammenarbeit im Kampf gegen Kriege,
Krankheiten, wachsende Ungleichheit und Armut. Als Kontrapunkt zum
Boykott durch US-Präsident Donald Trump und dem russischen
Angriffskrieg in der Ukraine betonen die übrigen Staats- und
Regierungschefs führender Industrie- und Schwellenländer den Willen,
Herausforderungen gemeinsam, friedlich und im Einklang mit dem
Völkerrecht zu bewältigen. Selbst China stimmt mit.
Offen bleibt, welches Gewicht die Erklärungen der Gruppe haben, wenn
Trump als mächtigstes Mitglied nicht mit am Tisch sitzt.
G20-Dokumente sind Absichtserklärungen und rechtlich nicht bindend.
Dennoch kann es der Gastgeber, Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa,
als Erfolg verbuchen, dass sich die Runde überhaupt auf eine
Erklärung geeinigt hat.
Präsidentensprecher Vincent Magwenya sagte mit Blick auf die USA:
«Wir müssen vorankommen. Wir können uns nicht von einem Land und
dessen Launen aufhalten lassen.» Der Gruppe der G20 gehören 19
Staaten, die Europäische und die Afrikanische Union an. Nächstes Jahr
wird der Gipfel von Trump in Miami ausgerichtet.
Ramaphosa wollte den Fokus eigentlich auf die Themen «Solidarität,
Gleichheit und Nachhaltigkeit» lenken. Die inhaltlichen Debatten in
der Wirtschaftsmetropole Johannesburg waren allerdings überschattet
von der Suche der Europäer und anderer Teilnehmer nach einer
gemeinsamen Haltung zum umstrittenen 28-Punkte-Friedensplan der USA
für die Ukraine.
Nur indirekte Kritik an Russlands Krieg in der Ukraine
Ohne Moskau zu nennen, unterstreicht die G20-Runde, dass alle Staaten
gemäß der UN-Charta von der Androhung oder Anwendung von Gewalt
absehen müssten, um Gebietsansprüche durchzusetzen. Territoriale
Integrität, Souveränität oder politische Unabhängigkeit eines Staat
es
müssen gewahrt bleiben. Zudem wird eine Stärkung der Menschenrechte
verlangt. Putin werden schwere Menschenrechtsverletzungen
vorgeworfen.
Trump fehlte, weil er Südafrika ohne Beweise vorwirft, dass dort
weiße Farmer verfolgt und getötet würden. Südafrika weist die
Vorwürfe zurück. Putin und Chinas Präsident Xi Jinping nahmen am
Gipfel ebenfalls nicht teil. Deutschland wurde durch Kanzler
Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD)
vertreten.
Was sagen Nichtregierungsorganisationen?
Nichtregierungsorganisationen begrüßten, dass in der Erklärung die
Bedeutung von Konfliktlösungen auf Grundlage internationalen Rechts
unterstrichen hat. Trump wird vorgeworfen, auf Deals zu setzen und
internationale Einrichtungen wie die Vereinten Nationen zu
übergehen.
Oxfam lobte, erstmals in der G20-Geschichte sei Ungleichheit als
dringliches Thema auf die globale Agenda gesetzt worden. Allerdings
kritisierte die Entwicklungsorganisation, dass die Forderung nach
einer Besteuerung der Superreichen fehle. Die gemeinnützige
Organisation Global Citizen pries die «ehrgeizigen» Zusagen im
Bereich erneuerbare Energien, um deren Ausbau in Afrika zu
beschleunigen. Auf dem Kontinent leben noch immer rund 600 Millionen
Menschen ohne Strom.
Wichtige Mineralien und seltene Erden
Um langfristiges Wirtschaftswachstum zu sichern, wird die verstärkte
Erkundung von seltenen und für die Volkswirtschaften wichtigen
Mineralien besonders in Entwicklungsländern unterstützt.
Transportwege, Märkte und Verarbeitungsstandorte sollen ausgebaut und
die Wertschöpfung in mineralreichen Entwicklungsländern verbessert
werden.
Deutschland und Europa versuchen, unabhängiger von China zu werden,
das viele der Vorkommen besitzt. Rohstoffe wie seltene Erden werden
von der Hightech- und Rüstungsbranche benötigt, aber auch zur
Batterieproduktion. Peking hat deren Export beschränkt.
UN-Sicherheitsrat
Das wichtigste Gremium der Vereinten Nationen soll nach dem Willen
der G20 grundlegend reformiert und so an Anforderungen des 21.
Jahrhunderts angepasst werden. Der Rat soll repräsentativer,
effizienter, demokratischer und transparenter werden. Eine erweiterte
Zusammensetzung soll sicherstellen, dass auch unter- oder nicht
repräsentierte Regionen wie Afrika, Asien-Pazifik, Lateinamerika und
die Karibik vertreten sind.
Klimawandel
Die Runde verpflichtet sich, den Klimawandel durch eine verstärkte
Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens zu bekämpfen, um bis etwa
2050 weltweit Kohlenstoffneutralität zu erreichen. Die Gruppe
bekräftigt das in dem Abkommen vereinbarte Ziel, die Erderwärmung auf
1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Dafür
wollen die Staaten auf nationaler Ebene Verpflichtungen vorlegen.
Globaler Süden
Beklagt wird die hohe Verschuldung, die in vielen Entwicklungsländern
Wirtschaftswachstum einschränke. Damit würden Investitionen in
Infrastruktur, Katastrophenschutz, Gesundheitsversorgung, Bildung und
andere Entwicklungsbereiche begrenzt. Wichtig sei dagegen eine
nachhaltige Industriepolitik, die kein Land ausschließe. So könnten
wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit gestärkt, Wachstum unterstützt
und hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden.
