EU-Afrika-Gipfel: mehr Zusammenarbeit angestrebt

24.11.2025 16:39

Milliardeninvestitionen und Wirtschaftspartnerschaft sind Themen am
ersten Tag des EU-Afrika-Gipfels. Hilfsorganisationen fordern
unterdessen mehr Aufmerksamkeit für eine bestimmte Region.

Luanda (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz unterstützt im Ringen um
eine Reform des UN-Sicherheitsrats Forderungen nach zwei ständigen
afrikanischen Sitzen im mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen
(UN). «Wenn der Sicherheitsrat über Krisen in Afrika berät und
entscheidet, dann muss Afrika mit am Tisch sitzen», sagte der
CDU-Politiker am Rande des EU-Afrika-Gipfels in der angolanischen
Hauptstadt Luanda. 

Europa und Afrika hätten zusammen mehr als 40 Prozent aller Stimmen
in den Vereinten Nationen, begründete Merz seine Forderung. «Zusammen
haben wir großes Gewicht. Dafür muss Afrika aber international auch
besser vertreten sein, so wie es dem Gewicht dieses Kontinentes eben
entspricht.»

Von der Leyen: Europa und Afrika brauchen einander

EU-Kommisionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte in ihrer
Eröffnungsrede auf dem zweitägigen Treffen, der globale Handel habe
sich verändert. «In einer zunehmend konfrontativen und globalisierten
Wirtschaft brauchen Afrika und Europa einander mehr als jedes
einzelne Land für sich», betonte sie.

Von der Leyen sagte, sie sehe Potenzial für den Ausbau der bisherigen
Handelsbeziehungen, auch wenn bereits ein Drittel der afrikanischen
Exporte nach Europa gehe. Auf dem gesamten Kontinent solle eine neue
Infrastruktur zur Verbindung von Standorten aufgebaut werden. Im
Rahmen der Global Gateway Agenda sei vor drei Jahren auf dem letzten
EU-Afrika-Gipfel das Ziel gesetzt worden, bis 2027 insgesamt 150
Milliarden Euro in Afrika zu investieren, so von der Leyen. Bisher
seien bereits mehr als 120 Milliarden Euro mobilisiert worden. In
einer Zeit, in der große Investoren ihr globales Engagement
zurückfahren, sei Europa «ganz klar entschlossen, sein Engagement in
Afrika fortzusetzen», betonte die Kommissionschefin.

Gemeinsame Erklärung geplant

Auf dem zweitägigen EU-Afrika-Treffen soll es in zwei thematischen
Blöcken einerseits um Frieden, Sicherheit und multilaterale
Zusammenarbeit gehen, andererseits um Migration, Mobilität und
Wohlstand. Für den zweiten Gipfeltag ist die Veröffentlichung einer
gemeinsamen Erklärung geplant.

Die EU hat derzeit zwölf zivile und militärische Missionen auf dem
Kontinent, unter anderem in Libyen, Mali, Somalia und der
Zentralafrikanischen Region. Doch während diese Einsätze vor allem
mit Konflikten, mangelnder Stabilität oder Bedrohungen durch
islamistischen Terrorismus zusammenhängen, wurden vor dem Gipfel auch
die Chancen einer vertieften Zusammenarbeit betont.

Hilfsorganisationen fordern Aufmerksamkeit für Sudan-Krieg

Die kirchliche Hilfsorganisation «Brot für die Welt» und die Diakonie

Katastrophenhilfe forderten die EU-Vertreter auf, den Konflikt im
Sudan in den Mittelpunkt zu stellen. «Die Lage im Sudan muss
Priorität für den Gipfel haben. Zehntausende Menschen sind in den
vergangenen Wochen getötet worden. Das anhaltende Morden und der
gezielte Einsatz von sexualisierter Gewalt als Kriegstaktik müssen
sofort enden», sagte Dagmar Pruin, Präsidentin der beiden
evangelischen Werke.