EU-Topjob mit Kanzlergehalt: CDU-Mann für Posten bestätigt
25.11.2025 13:31
Ein deutscher Europaabgeordneter soll einen der am höchsten dotierten
EU-Posten bekommen: Als Rechnungsprüfer winken ihm mindestens 27.000
Euro pro Monat. Nicht alle sind zufrieden mit dem Kandidaten.
Straßburg (dpa) - Das Europäische Parlament hat einen mit mehr als
27.000 Euro Grundgehalt dotierten EU-Posten für den CDU-Politiker
Daniel Caspary gebilligt. Der 49-jährige Europaabgeordnete soll im
kommenden Jahr als Prüfer an den Europäischen Rechnungshof in
Luxemburg wechseln. Die Personalie muss noch vom Rat der
Mitgliedstaaten bestätigt werden. Dies gilt allerdings als Formalie.
Das Amt ist eines der am besten bezahlten in der EU: Die Mitglieder
des Rechnungshofs erhalten 27.247,63 Euro im Monat als Grundgehalt,
obendrein kann es individuelle Zulagen geben. Der Grundbetrag
entspricht etwa dem Amtsgehalt des Bundeskanzlers, das sich nach der
Besoldungstabelle des Bundes richtet. Auch das Kanzlergehalt erhöht
sich noch um Zulagen.
Der Europäische Rechnungshof prüft, ob die EU-Finanzen ordnungsgemä
ß
eingesetzt wurden. Der Grünen-Europaabgeordnete Daniel Freund
kritisierte, dass Caspary keine nennenswerte Erfahrung als
Rechnungsprüfer habe. «Jobs am Europäischen Rechnungshof sind keine
Versorgungsposten», so Freund. «Deutschland braucht deswegen endlich
ein transparentes, professionelles Auswahlverfahren - so wie zum
Beispiel Irland.»
Für das Amt wurde Caspary von der Bundesregierung unter Kanzler
Friedrich Merz (CDU) vorgeschlagen. Der gebürtige Karlsruher ist
studierter Volkswirt und seit mehr als 20 Jahren Europaabgeordneter -
derzeit zudem noch als Co-Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im
Parlament.
Wer übernimmt an der Spitze der Europa-Unionsabgeordneten?
Seine politischen Ämter wird Caspary als Mitglied des Hofes aber
abgeben müssen, um die neuen Aufgaben unabhängig ausüben zu können.
Wer die Nachfolge an der Spitze der Europa-Unionsabgeordneten
antritt, ist noch offen.
Gleichzeitig steht Casparys Mitstreiterin Angelika Niebler, die die
CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament mit ihm zusammen führt, unter Druck.
Der stellvertretenden CSU-Parteivorsitzenden wird die
Zweckentfremdung von EU-Mitteln vorgeworfen. Nach Informationen der
Deutschen Presse-Agentur ermittelt die Europäische Staatsanwaltschaft
gegen sie.
Niebler wird beschuldigt, Assistenten beschäftigt zu haben, die sie
von ihrem Wohnort in der Nähe von München nach Brüssel und Straßbur
g
fuhren. Zudem soll es um Fahrten zu Terminen gehen, die nicht im
direkten Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Europaabgeordnete
standen.
