EU will illegalen Tierhandel eindämmen Von Marek Majewsky, dpa
25.11.2025 19:28
Tierhandel ist ein Milliardengeschäft - das zieht auch Kriminelle an,
oft zum Leid der Tiere. In der EU gibt es jetzt eine Einigung auf
strengere Vorgaben.
Straßburg (dpa) - Die EU will den illegalen Handel mit Hunden und
Katzen eindämmen und den Schutz dieser Tiere verbessern. Unterhändler
von Europaparlament und EU-Staaten einigten sich in Straßburg unter
anderem darauf, dass alle in der EU gehaltenen Hunde und Katzen durch
einen Mikrochip identifizierbar sein müssen.
Für die Chip-Pflicht gibt es mehrjährige Übergangsfristen. Für Hund
e
greift sie nach Angaben des Parlaments nach 10 und für Katzen nach 15
Jahren. Die Einigung muss noch formell von Parlament und EU-Staaten
bestätigt werden.
Warum wurden die neuen Regeln vorgeschlagen?
Die Einigung geht auf einen Vorschlag der EU-Kommission von 2023
zurück. Die Behörde hatte ihren Vorschlag unter anderem damit
begründet, dass hohe Preise und eine steigende Nachfrage Anreize für
illegale Geschäftemacher seien. «Der illegale Handel hat durch die
Online-Werbung und die Nutzung sozialer Medien stark zugenommen, da
die Täter problemlos ein breites Publikum erreichen können», so die
Kommission.
Die Behörde teilte damals auch mit, EU-Recht gelte bislang unter
anderem nur für Hunde und Katzen, die für wissenschaftliche Zwecke
bestimmt seien oder etwa zu gewerblichen Zwecken transportiert
würden.
Laut EU-Kommission fälschten Kriminelle Dokumente, einschließlich
falscher Impfzeugnisse für schwere Seuchen wie die Tollwut. Der
CDU-Europaabgeordnete Peter Liese begrüßte den Vorschlag. «Es ist
extrem wichtig, dass wir der Hundemafia das Handwerk legen und der
Beschluss wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten», teilte Liese
mit.
Wie sollen die Regeln illegalen Welpenhandel stoppen?
Mit der verpflichtenden Kennzeichnung von Hunden und Katzen sollen
Herkunft und Gesundheitsstatus verlässlich nachgeprüft werden können.
Damit soll es schwieriger werden, Hunde und Katzen, die rechtswidrig
gehalten oder in die EU gebracht wurden, weiterzuverkaufen. Für die
luxemburgische Grünen-Abgeordnete Tilly Metz eine sinnvolle Maßnahme.
«Diese kostengünstige Maßnahme ermöglicht die Rückverfolgung der
Tiere, deckt kriminelle Netzwerke auf und entlastet die Kommunen», so
Metz.
Was verbessert sich konkret für die Tiere?
Künftig müssen Zuchtbetriebe laut Metz sicherstellen, dass Katzen und
Hunde erst ab einem bestimmten Alter zur Zucht eingesetzt werden.
Außerdem brauche es ausreichend Platz, Beschäftigungsmöglichkeiten
und Qualzuchten würden der Vergangenheit angehören, so die
Abgeordnete.
Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes können bestimmte
angezüchtete Merkmale bei Tieren zu einem Leben mit Schmerzen und
Schäden führen. Der Großteil kurzköpfiger Hunde leide etwa unter
Atemnot.
Für Katzen ist etwa vorgesehen, dass Tiere mit gesundheitlich
belastenden Merkmalen künftig weder für Zucht noch für Wettbewerbe
eingesetzt werden dürfen. «Damit setzen wir klare Grenzen gegenüber
Praktiken, die zu unnötigem Tierleid führen», so Liese.
Gibt es weitere Verbesserungen für Tiere?
Ja. Unter anderem wird es laut EU-Staaten verboten, Wildtiere mit
Haustieren zu paaren. Laut dem deutschen Tierschutzbund bedeutet es
beispielsweise für weibliche Katzen Schmerzen und Stress, wenn sie
mit einem Wildkater zwangsverpaart werden. «Durch den
Größenunterschied und den Nackenbiss wird sie dabei häufig verletzt
»,
heißt es.
Zudem soll es weitere Einschränkungen für Inzucht und schmerzhafte
Verstümmelungen - etwa das Abschneiden von Schwanz- oder Ohrenteilen
- geben. Ausnahmen für medizinische Fälle sind laut EU-Staaten
vorgesehen. In Deutschland ist es nach Angaben des Tierschutzbundes
bereits grundsätzlich verboten, Tieren Körperteile zu amputieren.
Was sagen Tierschützer?
Der Deutsche Tierschutzbund fordert schon lange eine Kennzeichnungs-
und Registrierungspflicht für jeden gehaltenen Hund und jede
gehaltene Katze. Nicht nur erschwere dies den illegalen Handel mit
Tieren, es helfe auch gegen das Aussetzen von Tieren. Zudem könnten
entlaufene Tiere schneller zu ihren Besitzern gebracht und Tierheime
entlastet werden. Der Tierschutzbund empfiehlt daher, die
Übergangsfrist nicht auszusitzen, sondern sofort das eigene Tier
kennzeichnen und registrieren zu lassen.
Wie viele Hunde und Katzen leben als Haustiere in der EU?
Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union besitzen offiziellen
Angaben zufolge mehr als 72 Millionen Hunde und 83 Millionen Katzen.
Beim Handel mit den beiden Tierarten werde Schätzungen zufolge
jährlich ein Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro gemacht.
