US-Regierung drückt bei Ukraine-Diplomatie aufs Tempo

26.11.2025 04:46

Treffen hier, Treffen dort - US-Präsident Trump denkt, dass es mit
einem Kriegsende schnell gehen kann. Die europäischen Unterstützer
der Ukraine fordern rasche Klarheit bei den Sicherheitsgarantien.

Washington/Kiew (dpa) - Die USA machen in den Gesprächen über ein
Kriegsende in der Ukraine weiter Druck und streben rasche
Fortschritte an. Es gebe nur noch wenige strittige Punkte, schrieb
Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social. In der
Hoffnung, dass der Plan finalisiert werden kann, wies er seine
Unterhändler an, sich in Bälde jeweils zeitgleich mit Vertretern
Russlands und der Ukraine zu treffen.

Trump zufolge soll sein Sondergesandter Steve Witkoff «vermutlich
nächste Woche» mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau sprechen,
während sich der als Unterhändler agierende Staatssekretär im
US-Verteidigungsministerium, Daniel Driscoll, mit den Ukrainern
trifft. Für eine Einigung auf ein Abkommen habe er «keine Deadline»
gesetzt, sagte Trump später auf einem Flug nach Florida. Zugleich
nahm der Republikaner Witkoff gegen - auch innerhalb der
Präsidentenpartei laut gewordene - Vorwürfe in Schutz, er agiere zu
russlandfreundlich und habe sich damit als Unterhändler
disqualifiziert.

Kritiker hatten den ursprünglich 28 Punkte umfassenden Friedensplan
der USA - den Trump nur mehr als «Konzept» verstanden haben will,
obwohl er die Ukraine anfangs zu einer Annahme bis spätestens
Donnerstag gedrängt hatte - als einseitige «russische Wunschliste»
kritisiert, auch weil die Ukraine zu inakzeptablen territorialen
Zugeständnissen gedrängt worden sei.

Den Vorwurf zu den Gebietsabtretungen wies Trump nun zurück.
«Letztendlich ist das Gebiet, das in den nächsten Monaten ohnehin von
Russland erobert werden könnte», sagte er an Bord der
Präsidentenmaschine Air Force One. Die Entwicklung bewege sich «nur
in eine Richtung» - womit er meint: zugunsten Russlands. Dennoch
werde auch Moskau Zugeständnisse machen, nämlich «mit dem Kämpfen
aufhören und kein weiteres Land mehr erobern».

Europäer wollen Einigung mit USA auf Sicherheitsgarantien

Die westlichen Unterstützer der Ukraine, die vom Abkommensentwurf aus
Washington überrumpelt worden waren, wollen nun möglichst rasch
verlässliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine festzurren, die sie
in der ursprünglichen Fassung noch vermisst hatten. Das erklärten die
Vorsitzenden der sogenannten Koalition der Willigen nach einer
gemeinsamen Schalte, wie die Bundesregierung am Abend mitteilte.

Die Staats- und Regierungschefs hätten mit US-Außenminister Marco
Rubio vereinbart, «die gemeinsame Arbeit mit den Vereinigten Staaten
zu beschleunigen, um die Ausgestaltung der Sicherheitsgarantien
voranzutreiben», hieß es. Ein dauerhafter Frieden müsse durch robuste

und glaubwürdige Sicherheitsgarantien untermauert werden, damit
künftige Aggressionen Russlands verhindert werden können. 

Bei den in den vergangenen Tagen diskutierten Vorschlägen geht es
insbesondere auch darum, wie die Ukraine davor geschützt werden kann,
dass sich Russlands Militär nach einem Ende des Krieges konsolidiert,
neu aufrüstet und einen weiteren Angriff vorbereitet. Zur konkreten
Form derartiger Sicherheitsvorkehrungen ist bislang aber wenig
öffentlich bekanntgeworden.

Wie weit sind sich USA und Ukraine einig?

«Es ist unser gemeinsames Interesse, dass Sicherheit real ist», sagte
der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen
Videobotschaft vom Dienstag. Zu Details der Gespräche über einen
Friedensplan, die am Wochenende mit den USA in Genf geführt worden
waren, äußerte er sich nicht. Man habe am Dienstag aber weiter am
Textentwurf gearbeitet. «Die Prinzipien dieses Dokuments können zur
Grundlage einer umfassenden Vereinbarung weiterentwickelt werden»,
erklärte Selenskyj. 

Nach Angaben aus dem Weißen Haus und aus Kiew sind sich beide Seiten
weitgehend einig über eine gemeinsame Position, auf die dann Moskau
reagieren müsste. «Es gibt einige wenige delikate, aber nicht
unüberwindbare Details, die geklärt werden müssen und die weitere
Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA erfordern»,
schrieb Trumps Sprecherin Karoline Leavitt im sozialen Netzwerk X.

Nur Details oder ungeklärte Gretchenfragen?

Unklar ist, ob sich hinter diesen «Details» nicht gerade die
Hauptfrage verbirgt, wie mit den ukrainischen Gebietsverlusten
umgegangen werden soll. Das vom Nachbarn Russland im Februar 2022
völkerrechtswidrig attackierte Land hat bislang jegliche
Gebietsabtretungen an den Angreifer abgelehnt. Die großen
Zugeständnisse, die der Ukraine im ursprünglichen US-Plan abverlangt
wurden, warfen wiederum die Frage auf, wie wichtig der US-Regierung
eine für Kiew akzeptable Form des Deals ist.

Ein weiterer Gesprächsstrang wurde Medienberichten zufolge am
Dienstag am Persischen Golf verfolgt: Dort traf sich demnach eine
US-Delegation in Abu-Dhabi mit russischen Vertretern.

Heute wollen die Außenminister der EU-Staaten am späten Vormittag in
einer Videoschalte über die jüngsten Entwicklungen beraten. Eine
Frage dürfte sein, wie die Europäische Union verhindern kann, dass
die Ukraine von den USA zu allzu großen Zugeständnissen gegenüber
Russland gezwungen wird. Die Europäer sehen das große Risiko, dass
sich die Sicherheitslage auch für sie verschlechtern könnte, sollte
der Aggressor als klarer Sieger aus dem Konflikt hervorgehen - und
damit ermutigt werden, auch künftig das Völkerrecht zu brechen, wenn
sich der Kreml davon einen Vorteil verspricht.

Trump spricht über Treffen mit Selenskyj und Putin 

Trump stellte Treffen mit Putin und Selenskyj in Aussicht - «aber
NUR, wenn der Deal zur Beendigung dieses Krieges FINAL ist oder sich
auf der Zielgeraden befindet», wie er auf Truth Social schrieb. Ob er
sich mit ihnen jeweils in Zweier- oder in einer Dreierkonstellation
treffen will, sagte Trump nicht.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte warnte vor zu hohen Erwartungen an
eine rasche Verwirklichung des von den USA verfolgten Friedensplans.
«Er enthält einige starke, aber auch einige schwierige Elemente, die
noch mehr Arbeit und Verhandlungen erfordern», sagte Rutte dem
Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und der spanischen Zeitung «El
Pais». «Auf dem Weg zum Frieden sind wir noch längst nicht am Ziel.
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