Zollkonflikte und Aktien-Hype: EZB mahnt zur Vorsicht
26.11.2025 10:39
Wie solide sind Europas Banken? Die Europäische Zentralbank lobt ihre
Widerstandskraft, warnt aber vor möglichen Folgen von
Handelsstreitigkeiten und hoch bewerteten Aktien.
Frankfurt/Main (dpa) - Handelskonflikte, Zollschranken, mögliche
Blasen an den Aktienmärkten: Die Risiken für die Finanzstabilität im
Euroraum bleiben nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB)
vielfältig. Zwar habe sich die Unsicherheit in der Handelspolitik
seit den Höchstständen im April «deutlich entspannt», fasst
EZB-Vizepräsident Luis de Guindos die Erkenntnisse des jüngsten
halbjährlichen Finanzstabilitätsberichts der Notenbank zusammen.
«Aber die Unsicherheit hält weiterhin an, mit dem Potenzial für
erneute Spitzen.» Anfang April hatte US-Präsident Donald Trump mit
einem gewaltigen Zollpaket Handelspartner und Finanzmärkte in Aufruhr
versetzt.
Die Aktienmärkte erholten sich jedoch überraschend schnell von dem
Einbruch im April. Inzwischen wächst die Sorge, dass einzelne Trends
überbewertet sind. Die Finanzmärkte - insbesondere die Aktienmärkte -
seien «aufgrund anhaltend hoher Bewertungen und einer zunehmenden
Konzentration der Aktienmärkte anfällig für starke Korrekturen»,
schreibt die EZB. EZB-Vize de Guindos hatte jüngst vor der Gefahr
einer Börsenkorrektur gewarnt, die von hoch bewerteten US-Tech-Aktien
und dem Hype um Künstliche Intelligenz ausgehen könnte.
Zunehmende Kreditrisiken für Banken
Die gute Nachricht: Die Banken im Euroraum stehen aus Sicht der EZB,
die die größten Geldhäuser im Währungsraum direkt überwacht,
insgesamt solide da. Die Institute verdienten gut und hätten sich
dank reichlicher Reserven für Krisenzeiten «als widerstandsfähig
gegenüber den jüngsten Schocks erwiesen», stellt die EZB fest. Zum
Problem werden könnte für Banken jedoch, wenn Unternehmen, die stark
von Zöllen betroffen sind, bei der Rückzahlung von Krediten in
Schwierigkeiten geraten.
