EU-Parlament macht Weg für Verzicht auf russisches Gas frei

17.12.2025 14:56

Die Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland wurde für die EU
zum Fallstrick. Das Europäische Parlament hat nun grünes Licht
gegeben, den Gashahn spätestens in zwei Jahren ganz zuzudrehen.

Straßburg (dpa) - Das EU-Parlament hat grünes Licht dafür gegeben,
dass die EU bis spätestens Ende 2027 vollkommen unabhängig von
russischem Erdgas wird. Zuvor hatten sich bereits Vertreter der
Regierungen der Mitgliedstaaten und des Europaparlaments auf dieses
Vorgehen geeinigt. Mit der Abstimmung im Parlament müssen nur noch
die EU-Staaten die Entscheidung absegnen, das gilt aber als sicher.

Den Plänen zufolge soll die Einfuhr von russischem Gas über Pipelines
auf Grundlage von langfristigen Verträgen bis spätestens 1. November
2027 komplett eingestellt werden. Derzeit kommt Gas aus Russland noch
über die Pipeline Turkstream in die EU.

Ausnahmen sind für Binnenländer vorgesehen, die nach Abschluss
kurzfristiger Verträge noch zwei Monate länger Erdgas aus Russland
beziehen dürfen. Ein Verbot für den Import von russischem
Flüssigerdgas (LNG) soll im Einklang mit dem 19. Sanktionspaket der
EU schon ab Januar 2027 gelten.

Kreml: EU schadet sich selbst - Brüssel widerspricht

Nach Auffassung des Kremls schadet sich die Europäische Union mit dem
Verzicht auf russisches Gas nur selbst. Europa mache sich abhängig
von teurer Energie aus anderen Quellen und beschädige die
Konkurrenzfähigkeit seiner Wirtschaft, sagte Kremlsprecher Dimitri
Peskow in Moskau bereits Anfang Dezember.

Einer Analyse der EU-Kommission zufolge würde der Komplettverzicht
auf russisches Gas kein Risiko für die Versorgungssicherheit
bedeuten. Auf dem Weltmarkt gebe es genügend andere Anbieter, heißt
es aus Brüssel. Verbraucher müssten sich demnach keine großen Sorgen

über steigende Gaspreise machen.

Russland macht Milliardengewinne mit Energielieferungen

Auch nach knapp vier Jahren Krieg erwirtschaftet Russland mit
Energielieferungen in die EU weiterhin Milliardengewinne. So führten
EU-Staaten nach offiziellen Zahlen im Jahr 2024 immer noch 52
Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland ein, was rund einem Fünftel
aller Einfuhren entsprach. Hinzu kamen 13 Millionen Tonnen Rohöl und
mehr als 2.800 Tonnen Uran in angereicherter Form oder als
Kernbrennstoff.

Im ersten Halbjahr 2025 importierte die EU nach Daten der
Statistikbehörde Eurostat Flüssigerdgas im Wert von fast 4,5
Milliarden Euro aus Russland. Im vergangenen Jahr war demnach
natürliches und verarbeitetes Gas im Wert von 15,6 Milliarden Euro
von dort importiert worden. Zum Vergleich: Aus den USA kam Gas im
Wert von 19,1 Milliarden Euro.