Lula droht mit Rückzug aus Mercosur-Abkommen mit EU
17.12.2025 20:46
Brasiliens Präsident verliert die Geduld mit den EU-Staaten: Wenn das
Mercosur-Abkommen jetzt nicht unterzeichnet wird, macht Brasilien
keinen Deal mehr, warnt er.
Brasilia (dpa) - Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva droht
mit einem Rückzug seines Landes aus dem geplanten Mercosur-Abkommen
mit der EU. Sollte das seit 1999 verhandelte Freihandelsabkommen
nicht rechtzeitig vor der geplanten Unterzeichnung am Samstag von den
EU-Ländern gebilligt werden, werde Brasilien es nicht mehr
unterstützen, sagte der linke Staatschef der größten Volkswirtschaft
Lateinamerikas.
«Ich habe sie bereits gewarnt: Wenn wir es jetzt nicht tun, wird
Brasilien keinen Deal mehr machen, solange ich Präsident bin», sagte
Lula auf einem Regierungstreffen, wie im Fernsehen zu sehen war.
Brasilien habe 26 Jahre auf das Abkommen gewartet.
Das Abkommen soll den Handel zwischen der EU und den Mercosur-Staaten
Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay ankurbeln. Die
französische Regierung hatte zuletzt jedoch abermals Nachbesserungen
und eine Verschiebung gefordert, weil es unlautere Konkurrenz für
seine Landwirte befürchtet.
Lula: Das Abkommen ist für die EU günstiger als für den Mercosur
Der Vertrag soll am Samstag auf dem Gipfeltreffen der
Mercosur-Staaten in der brasilianischen Stadt Foz do Iguaçu
unterzeichnet werden. «Es ist schwierig, weil Italien und Frankreich
aufgrund interner politischer Probleme nicht zustimmen wollen», sagte
Lula. Auf europäischer Seite gibt es auch Widerstand in Ländern wie
Polen und Österreich.
Lula sagte, er werde nach Foz do Iguaçu in der Hoffnung fahren, dass
das Abkommen in Brüssel zuvor genehmigt wird. Sollte dies nicht
gelingen, werde er fortan hart bleiben. Die Mercosur-Staaten hätten
bei den Verhandlungen alles akzeptiert, was diplomatisch möglich
gewesen sei. Für die EU-Staaten sei der Vertrag viel günstiger als
für den südamerikanischen Staatenbund. Man habe ein Zeichen für den
Multilateralismus setzen wollen.
Die EU-Kommission und die südamerikanischen Mercosur-Staaten hatten
vor einem Jahr die Verhandlungen über die Freihandelszone
abgeschlossen. Das Abkommen würde eine der weltweit größten
Freihandelszonen mit mehr als 700 Millionen Einwohnern schaffen.
