Orban: Angriff auf Venezuela ist «Phänomen einer neuen Welt»
05.01.2026 15:38
Für den ungarischen Regierungschef wirft das Vorgehen der USA im
erdölreichen Land «keine moralischen Fragen» auf. Für ihn zähle n
ur,
was für Ungarn gut ist. Dabei denkt er an den globalen Erdölpreis.
Budapest (dpa) - Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban sieht im
US-Angriff auf Venezuela und der Gefangennahme von dessen Präsidenten
Nicolás Maduro das «kraftvolle Phänomen einer neuen Welt». Er
betrachte dies nicht von einem moralischen Standpunkt aus, sondern
sehe nur darauf, was gut ist für Ungarn, sagte er auf seiner
jährlichen Pressekonferenz in Budapest.
«Für Ungarn ist es eine gute Nachricht, dass die USA die
Erdölvorkommen Venezuelas unter ihre Kontrolle bringen werden und
dadurch der Weltmarktpreis für Öl sinken wird», fügte er hinzu.
Deswegen habe Ungarn auch als einziges EU-Mitgliedsland nicht die
Stellungnahme der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas unterstützt.
Darin rief die europäische Spitzendiplomatin unter anderem dazu auf,
das Völkerrecht zu achten. «Das Völkerrecht der alten Weltordnung -
nennen wir sie die «liberale Weltordnung» - hat keine Geltung mehr»,
sagte Orban.
Regierungschef unter Druck
Der rechtspopulistische Regierungschef sieht im neuen Jahr
Parlamentswahlen entgegen, bei denen er mit seiner Fidesz-Partei nach
16 Jahren die Macht verlieren könnte. Als chancenreicher
Herausforderer hat sich Peter Magyar mit seiner bürgerlichen
Tisza-Partei etabliert. Magyar stammt selbst aus dem inneren
Fidesz-Kreis, hat aber vor knapp zwei Jahren mit Orbans System
kategorisch gebrochen.
Meinungsumfragen sehen die Tisza-Partei seit Monaten deutlich vor dem
Fidesz. Wegen der Unwägbarkeiten des komplexen ungarischen
Wahlsystems und der erdrückenden Übermacht der von Orban
kontrollierten Medien gilt ein Wahlsieg Magyars aber nicht als
gesichert.
