Abkommen mit Südamerika öffnet Märkte für Baden-Württemberg
09.01.2026 16:37
Das EU-Abkommen mit Südamerika soll Zölle senken und neue Chancen für
Baden-Württembergs Mittelstand schaffen. Welche Branchen besonders
profitieren könnten.
Stuttgart (dpa/lsw) - Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole
Hoffmeister-Kraut (CDU) sieht im EU-Freihandelsabkommen mit
Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay enorme Chancen für die
Kernbranchen Automobil, Maschinenbau und Chemie im Land. Wenn
Mercosur Zölle auf über 91 Prozent der EU-Warenausfuhren schrittweise
abbaue, öffnet das gerade für den exportorientierten Mittelstand neue
finanzielle Spielräume, sagte die CDU-Politikerin in Stuttgart.
Baden-Württemberg exportiert schon heute Waren im Wert von rund 2,2
Milliarden Euro in die vier Staaten.
Vor dem Hintergrund der gestiegenen Unsicherheiten durch die
US-Handelspolitik und der Abhängigkeit von China bei kritischen
Rohstoffen müsse man Europas wirtschaftliche Souveränität stärken.
Der Weg für die riesige EU-Freihandelszone mit den südamerikanischen
Staaten ist mehr als ein Vierteljahrhundert nach Verhandlungsbeginn
frei. Bei einer Sitzung von Vertretern der 27 EU-Länder stimmten in
Brüssel ausreichend viele Teilnehmer dem Abschluss der Vereinbarung
zu. Die Unterzeichnung soll bereits nächste Woche in Paraguay
erfolgen.
Landwirte fürchten um ihre Existenz
Die neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern wird
nach Angaben der EU-Kommission die weltweit größte dieser Art sein.
Ermöglicht wurde die Einigung auf das umstrittene Abkommen durch
weitere Zugeständnisse an die Agrarlobby. Diese sieht die Konkurrenz
aus den Mercosur-Staaten als Existenzbedrohung für die europäische
Landwirtschaft. In Südamerika können etwa Agrarprodukte wie
Rindfleisch günstiger produziert werden als in Europa.
Der Präsident der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW), Thomas Bürkle,
sagte, für das exportstarke Baden-Württemberg sei das Abkommen von
herausragender Bedeutung. Durch den Abbau von Zöllen und
Handelsbarrieren entstehe ein großer, verlässlicher Wirtschaftsraum,
der rund 20 Prozent der Weltwirtschaft und mehr als 30 Prozent der
globalen Exporte abdeckt. Davon dürften besonders die
Schlüsselbranchen wie Maschinenbau, Automobilindustrie, Chemie und
Elektrotechnik profitieren. In den Mercosur-Staaten bestehe ein
erheblicher Modernisierungsbedarf.
