Internationale Notenbanker stellen sich hinter Fed-Chef
13.01.2026 12:11
Mit den Ermittlungen gegen Jerome Powell wachsen die Sorgen um die
Unabhängigkeit der US-Notenbank. Nun solidarisieren sich führende
Zentralbankchefs mit Powell.
Frankfurt/Washington (dpa) - Der von US-Präsident Donald Trump unter
Druck gesetzte Fed-Chef Jerome Powell bekommt Rückendeckung von
führenden Notenbankern weltweit. «Wir stehen in voller Solidarität
mit dem Federal Reserve System und seinem Vorsitzenden Jerome H.
Powell», heißt es in einer von der Europäischen Zentralbank (EZB)
veröffentlichten Erklärung.
Unterzeichnet ist diese unter anderem von EZB-Präsidentin Christine
Lagarde, dem britischen Notenbankchef Andrew Bailey, dem Chef der
Schweizer Notenbank SNB, Martin Schlegel, sowie Pablo Hernández de
Cos, der die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) führt,
also die Zentralbank der Zentralbanken. Zudem unterstützen die Chefs
der Notenbanken von Schweden, Dänemark, Australien, Kanada, Korea und
Brasilien die Solidaritätsbekundung.
Zentralbanken betonen Unabhängigkeit
«Die Unabhängigkeit der Zentralbanken ist ein Eckpfeiler der Preis-,
Finanz- und Wirtschaftsstabilität im Interesse der Bürger, denen wir
dienen», heißt es in der Erklärung der Zentralbanker. «Es ist daher
von entscheidender Bedeutung, diese Unabhängigkeit unter
uneingeschränkter Achtung der Rechtsstaatlichkeit und der
demokratischen Rechenschaftspflicht zu wahren.» Powell habe seine
Aufgabe mit Integrität erfüllt und sich unermüdlich für das
öffentliche Interesse eingesetzt, schreiben die Zentralbanker.
Trump setzt Powell schon lange unter Druck
US-Präsident Trump hatte von Powell wiederholt Zinssenkungen
gefordert und ihn auch beleidigt. Niedrigere Zinsen würden dabei
helfen, die Konjunktur in den USA zu stützen und die wachsende
Staatsverschuldung leichter zu stemmen.
Powell hatte am Sonntag in einer außergewöhnlichen Stellungnahme
strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn als Versuch der Einflussnahme
auf die Arbeit der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zurückgewiesen:
«Die Drohung mit einer Anklage ist eine Folge davon, dass die Federal
Reserve die Zinssätze nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen
Interesse festlegt und nicht den Präferenzen des Präsidenten folgt.»
Staatsanwältin spielt Ermittlungen gegen Fed-Chef herunter
Die zuständige Staatsanwältin Jeanine Pirro reagierte auf der
Plattform X: Außer Powell habe niemand das Wort «Anklage» in den Mund
genommen. Ihre Behörde habe zu Vorladungen greifen müssen, da die Fed
Informationsanfragen zu Kosten von Renovierungsarbeiten am
historischen Gebäude der Notenbank «ignoriert» habe.
Die steten Attacken auf Powell schüren an den Finanzmärkten Sorge,
die Fed könnte künftig nicht mehr unabhängig agieren, sondern
politisch gesteuert werden. Auch deshalb hat der Dollar-Kurs zum Euro
kräftig an Wert verloren. Die zunehmenden Sorgen über die
Unabhängigkeit der US-Notenbank trieben den Goldpreis am Montag zudem
zeitweise auf ein Rekordhoch.
