Trotz Kritik an X: EU-Spitzenvertreter nicht bei Mastodon
14.01.2026 00:30
Von der Leyen & Co. kritisieren X scharf, posten auf Elon Musks
Plattform aber weiterhin politische Botschaften - nicht hingegen bei
der deutschen Konkurrenz Mastodon. Eine Kommissarin ändert das nun.
Brüssel (dpa) - Trotz ihrer Kritik an Elon Musks Plattform X posten
fast alle Spitzenvertreter der EU weiterhin dort und nicht bei der
europäischen Konkurrenz. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der
Leyen und andere ranghohe Politiker haben nach Recherchen der
Deutschen Presse-Agentur etwa weiterhin keinen offiziellen Account
auf der Plattform der deutschen Firma Mastodon. Die für die digitale
Unabhängigkeit der EU zuständige Vizepräsidentin, Henna Virkkunen,
eröffnete dort am Abend erstmals ein offizielles Benutzerkonto, wie
die EU-Kommission der dpa mitteilte.
Virkkunen habe beschlossen, ihre Präsenz in den sozialen Medien zu
diversifizieren und europäische Unternehmen zu fördern, sagte ein
Sprecher der Kommission. Er betonte, dass dieser Schritt schon länger
geplant gewesen sei. Zudem verwies der Sprecher auf ein bestehendes
Benutzerkonto der EU-Kommission als Institution. Tatsächlich postet
die Brüsseler Behörde dort regelmäßig.
EU-Kommission neben X auch auf Bluesky vertreten
Konten für andere individuelle Mitglieder der Kommission scheinen
hingegen zunächst nicht vorgesehen zu sein. Aus Kommissionskreisen
hieß es, Mastodon eigne sich derzeit weniger für politisches
Engagement und sei eher für einen tiefgreifenden Austausch über
politische und technische Themen. In ihrem ersten Post auf Mastodon
kritisierte Virkkunen X und drohte dem US-Unternehmen weitere
Sanktionsmaßnahmen an. Den gleichen Post hatte sie einen Tag zuvor
auf X veröffentlicht.
Wer auf Mastodon nach von der Leyen und anderen sucht, findet zwar
Accounts. Ein Sprecher bestätigte aber, dass diese nicht offiziell
seien und nicht von der EU-Kommission betrieben würden. Auf der
US-Plattform Bluesky sind die hochrangigen Politiker dagegen
ebenfalls regelmäßig aktiv. Die Plattform gilt als zuletzt
aufstrebende Alternative zu X. Auf Bluesky, aber ebenfalls nicht auf
Mastodon sind auch EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola und
Ratspräsident António Costa vertreten.
Deutlich mehr Nutzer auf X - EU rechtfertigt Aktivitäten
Die Spitzenvertreter der EU posten regelmäßig auf X. Die
EU-Kommission rechtfertigte die eigenen Aktivitäten in den
vergangenen Tagen auch mit der Reichweite der Plattform: «Natürlich
beobachten wir auch, wo unsere Zielgruppe selbst am aktivsten ist. Es
ist wichtig für uns, unsere Botschaften an unser Zielpublikum zu
vermitteln», hieß es von der Behörde. Nach eigenen Angaben hat
Mastodon derzeit etwa 750.000 monatliche Nutzer - bei X sind es dem
US-Unternehmen zufolge 100 Millionen.
X war in den vergangenen Tagen massiv in die Kritik geraten, weil
Nutzer den KI-Chatbot Grok auffordern können, gepostete Bilder zu
sexualisieren. Indonesien und Malaysia haben am Wochenende als erste
Länder weltweit den Chatbot vorübergehend gesperrt. Die EU sowie die
britischen Behörden ermitteln gegen das Unternehmen und behalten sich
Sanktionen vor.
EU-Kommission verhängte im Dezember Millionenstrafe
Erst Anfang Dezember hatte die EU gegen Musks Online-Plattform wegen
Transparenzmängeln eine Strafe von 120 Millionen Euro verhängt. Der
US-Firma könnten weitere Strafen drohen. So haben die europäischen
Internetwächter X ebenfalls seit Dezember 2023 im Visier, weil die
Plattform im Verdacht steht, nicht genug gegen illegale Inhalte oder
Desinformation zu tun.
Viele deutsche Organisationen und Behörden, darunter das
Bundeskriminalamt, das Verteidigungsministerium sowie viele
Hochschulen hatten sich in der Vergangenheit aufgrund der
Entwicklungen von der Online-Plattform zurückgezogen.
