AWS startet unabhängige EU-Cloud mit Milliarden-Investition

15.01.2026 12:14

Alle Daten bleiben in der EU: AWS startet eine neue Cloud speziell
für den öffentlichen Sektor und kritische Infrastruktur. Für
Brandenburg bedeutet dies Investitionen in Milliardenhöhe.

Potsdam (dpa) - Der US-amerikanische Internet-Gigant AWS hat eine
neue, unabhängige Cloud für Europa in Betrieb genommen. Die
Rechenzentren des Cloud-Angebots werden sich in Brandenburg befinden,
kündigte die Amazon-Tochter im Hasso-Plattner-Institut (HPI) in
Potsdam an. AWS geht damit auf Befürchtungen ein, dass die
US-Regierung unter Präsident Donald Trump amerikanische Cloud-Dienste
ausspähen oder ungerechtfertigt abschalten könnte.

Milliarden-Investitionen in Brandenburg

Für die Einrichtung der europäischen Cloud plant AWS in Brandenburg
Investitionen in Höhe von etwa 7,8 Milliarden Euro. In einem ersten
Schritt wird sich AWS in bestehende Rechenzentren einmieten.
Anschließend ist ein schrittweiser Aufbau eigener Rechenzentren in
Brandenburg geplant - darunter eines südlich von Berlin und eines in
Südbrandenburg.

Die «European Sovereign Cloud» von AWS richtet sich vor allem den
öffentlichen Sektor, aber auch Betreiber kritischer Infrastruktur
(KRITIS) sowie Banken und andere Unternehmen, die höhere
Anforderungen an den Datenschutz haben. Die europäische AWS Cloud
soll eine rechtssichere Basis bieten, um die strengen Anforderungen
der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und andere
EU-Regulierungen zu erfüllen, ohne auf die Leistungsfähigkeit einer
modernen Cloud verzichten zu müssen.

Daten verbleiben in Europa

Das neue Angebot unterscheidet sich von der herkömmlichen AWS Cloud
in mehreren Punkten: Zum einen erfolgen Betrieb, Kontrolle und
Verwaltung des Angebotes ausschließlich durch Personal aus der
Europäischen Union. Sämtliche Daten verbleiben vollständig innerhalb

der EU. Außerdem bietet AWS ein Verschlüsselungssystem an, dass dafür

sorgt, dass selbst AWS-Mitarbeiter keinen Zugriff auf die Daten
haben. Die soll auch Zugriffe von US-amerikanischen Behörden
verhindern.

«Europa braucht Zugang zu führender Cloud- und KI-Technologie. Die
Erweiterung der AWS Innovationen in Europa wird dabei helfen, das
Wachstum unserer Kunden und ihre KI-Ambitionen voranzutreiben», sagte
AWS-Manager Stéphane Israël. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU)
sagte, die europäische AWS-Cloud stärke nicht nur Deutschlands Rolle
als Standort für digitale Infrastruktur in Europa. «Sie belegt auch
die Attraktivität unseres Landes für Investitionen in modernste
Technologien. Globales Know-how wird mit europäischen Datenschutz-
und Sicherheitsstandards zusammengebracht.»

Milliarden-Perspektive für Brandenburg

Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) sieht sein
Bundesland zunehmend auf dem Weg zum «digitalen Innovations-Hotspot».
Er geht davon aus, dass verschiedene Unternehmen in den kommenden
Jahren bis zu 30 Milliarden Euro in Rechenzentren in Brandenburg
investieren werden. Bislang ist Frankfurt und die Rhein-Main-Region
der führende Standort für Rechenzentren in Deutschland, auch weil
sich dort der große Internetknoten DE-CIX befindet.