EU überweist erste Milliarde an Ägypten für Kooperation

15.01.2026 14:44

Ägypten erhält die erste Rate eines EU-Darlehens von insgesamt vier
Milliarden Euro. Das Geld ist an Auflagen geknüpft, die laut
EU-Kommission erfüllt sind - trotz der Kritik von Menschenrechtlern.

Brüssel (dpa) - Im Rahmen ihrer vertieften Kooperation mit Ägypten
zahlt die EU-Kommission eine Milliarde Euro an das nordafrikanische
Land. Das Geld soll Ägypten unter anderem bei der Bewältigung
wirtschaftlicher Probleme helfen, wie die EU-Kommission mitteilt. 

Es ist demnach die erste von drei Zahlungen im Rahmen eines Darlehns
von insgesamt vier Milliarden Euro. Kairo hat laut Vereinbarung 35
Jahre Zeit, das Geld zurückzuzahlen. Bis Ende 2027 sind Ägypten durch
verschiedene kurz- und langfristige Instrumente Finanzhilfen in Höhe
von rund 7,4 Milliarden Euro zugesagt. 

Das von der EU zur Verfügung gestellte Geld ist an Auflagen geknüpft.
Laut Europäischer Kommission habe das nordafrikanische Land alle
notwendigen wirtschaftspolitischen Auflagen erfüllt sowie «konkrete
und glaubwürdige» Schritte zur Stärkung der Demokratie unternommen.
Dazu gehörten die Gewährleistung eines parlamentarischen
Mehrparteiensystems sowie die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit und die
Achtung der Menschenrechte.

Viele Flüchtlinge in Ägypten wollen in die EU 

Die Kredite sind Teil einer strategischen Partnerschaft, die die EU
im März 2024 mit Ägypten geschlossen hatte. Angesichts damals
steigender Flüchtlingszahlen wollte man die Zusammenarbeit mit dem
Land erheblich ausbauen. 

Ägypten beherbergt nach Angaben der Vereinten Nationen derzeit etwa
eine Million Flüchtlinge aus Krisenländern, die teilweise versuchen,
über das Mittelmeer in die EU zu gelangen. Zudem kommen in Europa
auch immer wieder Ägypter an, die ihre Heimat auf der Suche nach
einer besseren wirtschaftlichen Perspektive verlassen. 

Menschenrechtler kritisieren Kooperation 

Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex registrierte nach eigenen Angaben
2025 neben Menschen mit einer bangladeschischen oder afghanischen
Staatsangehörigkeit besonders Ägypter bei irregulären
Grenzübertritten in die EU. 

Menschenrechtler hatten die Zusammenarbeit der EU mit Ägypten in der
Vergangenheit verurteilt. Die Unterdrückung kritischer Stimmen unter
dem ägyptischen Präsident Abdel Fattah al-Sisi halte an - daran
ändere auch die Kooperation mit Brüssel kaum etwas, hatten Human
Rights Watch und andere Organisationen kritisiert.