Stoltenberg: Müssen US-Ambitionen in Grönland ernst nehmen

16.01.2026 20:39

Der Ex-Nato-Generalsekretär warnt davor, die US-Ansprüche auf die
Arktisinsel zu unterschätzen. Über Trumps mögliche Beweggründe will

er nicht spekulieren. Von den Europäern verlangt er Klartext.

Berlin (dpa) - Im Konflikt um US-Besitzansprüche auf Grönland warnt
der ehemalige Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg davor, die USA zu
unterschätzen. «Dass die Vereinigten Staaten erklären, sie wollten
die Kontrolle über Grönland übernehmen, müssen wir ernst nehmen»,

sagte Stoltenberg in einem Interview des «Spiegel». 

Spekulationen über die möglichen Beweggründe von US-Präsident Donal
d
Trump, die Insel annektieren zu wollen, lehnt er ab. «Ich nehme zur
Kenntnis, was Trump und andere US-Vertreter sagen: Sie führen
Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten an, und manchmal reden
sie von Bodenschätzen», sagte der norwegische Finanzminister. «Ich
kann bloß darauf verweisen und will nicht spekulieren, was
potenzielle andere Gründe sein könnten.»

Das weitgehend autonome Grönland gehört zum Hoheitsgebiet Dänemarks.

Trump hat wiederholt deutlich gemacht, dass sich die USA die
größtenteils von Eis bedeckte Insel einverleiben wollen - was die
europäischen Nato-Partner vehement ablehnen. Krisengespräche zwischen
den USA, Dänemark und Grönland hatten ohne greifbare Ergebnisse
geendet. Trump argumentiert, Grönland müsse den USA gehören, damit
nicht die Russen und Chinesen zusätzlich Einfluss in der Region
gewinnen.

Wird die Nato überleben? - «Nichts ist in Stein gemeißelt»

Die Verteidigungsallianz Nato und die EU müssten nun mit Klarheit auf
die Drohungen des US-Präsidenten reagieren. «Ich begrüße es, dass e
s
klare gemeinsame Stellungnahmen gab - von den nordischen Staaten, von
Deutschland, von anderen europäischen Staaten - dazu, dass Grönland
zu Dänemark gehört und sie hinter Dänemark stehen», sagte
Stoltenberg. Man solle nicht über mögliche Konsequenzen spekulieren.
«Das Wichtigste ist jetzt, weitere Maßnahmen zu verhindern.»

Mit Blick auf das langfristige Überleben der Nato angesichts ihrer
Herausforderungen meinte Stoltenberg: «Nichts ist in Stein gemeißelt,
die Dinge können sich ändern.» Es gelte darum, Maßnahmen für den

Fortbestand des transatlantischen Zusammenhalts zu entwickeln, «egal
ob die Vereinigten Staaten nun ein engagierter Nato-Verbündeter
bleiben oder nicht».