Bundeswehr-Team startet Erkundungsmission auf Grönland

17.01.2026 05:17

Soldaten europäischer Länder versammeln sich auf Grönland, um die
Arktisinsel zu erkunden. Trump bleibt strikt bei seinem Kurs - und
droht mit neuen Zöllen.

Berlin/Nuuk (dpa) - Angesichts des Konflikts um US-Besitzansprüche
auf Grönland beginnt für das Bundeswehr-Team auf der Arktisinsel eine
europäische Erkundungsmission. Die 15 deutschen Soldaten und weitere
Militärangehörige aus anderen europäischen Staaten trafen am
Freitagabend auf der weltgrößten Insel ein. Ex-Nato-Generalsekretär
Jens Stoltenberg warnte indes davor, die USA zu unterschätzen, und
forderte eine klare Reaktion der Nato und der EU auf die
US-Ansprüche. US-Präsident Donald Trump drohte Ländern, die gegen
sein Vorhaben eintreten, mit Zöllen zu belegen. 

Am Nachmittag werden auf Grönland in mehreren Städten Demonstrationen
gegen die US-Ansprüche erwartet.

Europäer wollen Sicherheit auf Arktisinsel erhöhen 

Das weitgehend autonome Grönland gehört zum Hoheitsgebiet Dänemarks.

Trump hat wiederholt deutlich gemacht, dass sich die USA die
größtenteils von Eis bedeckte Insel einverleiben wollen - was die
meisten europäischen Nato-Partner vehement ablehnen. Krisengespräche
zwischen den USA, Dänemark und Grönland hatten kürzlich keine
Annäherung gebracht. Trump argumentiert, Grönland müsse den USA
gehören, damit nicht die Russen und Chinesen zusätzlich Einfluss in
der Region gewinnen. 

Deutschland und weitere europäische Nato-Mitglieder wollen nun für
mehr Sicherheit auf der riesigen Arktisinsel sorgen. Unter anderem
Norwegen, Schweden, Finnland, Großbritannien, Frankreich und die
Niederlande schicken Teams. 

Die Soldaten sollen nach Angaben des Verteidigungsministeriums in
Berlin Bedingungen für gemeinsame Militärübungen prüfen. Es gehe um

die Frage, ob die Arktis sicher sei und inwiefern Deutschland mit
seinen Nato-Partnern dazu beitragen könne, sagte der Sprecher des
Verteidigungsministeriums in Berlin. Das deutsche Team - 15 Männer
und Frauen - besteht demnach aus Logistikern und Experten
unterschiedlicher Bereiche. 

Die Erkundungsmission wird von Dänemark angeführt. Das
Bundeswehr-Team war am Donnerstag zunächst ins dänische Karup
geflogen und traf am Freitag auf Grönland ein. 

Stoltenberg will nicht über Trumps Gründe spekulieren

Ex-Nato-Generalsekretär Stoltenberg sagte in einem Interview des
«Spiegels»: «Dass die Vereinigten Staaten erklären, sie wollten die

Kontrolle über Grönland übernehmen, müssen wir ernst nehmen.»
Spekulationen über die möglichen Beweggründe Trumps, die Insel
annektieren zu wollen, lehnte er ab. «Ich nehme zur Kenntnis, was
Trump und andere US-Vertreter sagen: Sie führen Sicherheitsinteressen
der Vereinigten Staaten an, und manchmal reden sie von
Bodenschätzen», sagte der norwegische Finanzminister. «Ich kann blo
ß
darauf verweisen und will nicht spekulieren, was potenzielle andere
Gründe sein könnten.»

Klarheit von Nato und EU gefordert

Die Verteidigungsallianz Nato und die EU müssten nun mit Klarheit auf
die Drohungen des US-Präsidenten reagieren. «Ich begrüße es, dass e
s
klare gemeinsame Stellungnahmen gab - von den nordischen Staaten, von
Deutschland, von anderen europäischen Staaten - dazu, dass Grönland
zu Dänemark gehört und sie hinter Dänemark stehen», sagte
Stoltenberg. Man solle nicht über mögliche Konsequenzen spekulieren.
«Das Wichtigste ist jetzt, weitere Maßnahmen zu verhindern.»

Italien nicht Teil der Mission

Das Nato-Gründungsmitglied Italien will keine Soldaten für die
Erkundungsmission mit anderen europäischen Partnerstaaten abstellen.
Verteidigungsminister Guido Crosetto sprach im Zusammenhang damit von
einem «Witz». 

Zugleich stellte die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia
Meloni eine eigene Arktis-Strategie vor. Meloni hatte in der
Vergangenheit deutlich gemacht, dass sie eine militärische Aktion der
USA nicht unterstütze und eine solche in niemandes Interesse sei.
Meloni gilt als Sympathisantin von US-Präsident Donald Trump und als
eine seiner wichtigsten Verbündeten in Europa. 

Trump denkt über neue Zölle nach

Unterdessen drohte Trump Ländern, die sich seinem Besitzanspruch auf
Grönland entgegenstellen, mit Zöllen. Er werde möglicherweise Zölle

gegen solche Länder verhängen, weil die USA Grönland für ihre
nationale Sicherheit bräuchten, sagte Trump im Weißen Haus in
Washington. Konkreter wurde er zunächst nicht. Zuvor hatte er darüber
gesprochen, wie er europäischen Ländern wie Deutschland und
Frankreich in anderen Zusammenhängen mit Zöllen gedroht hatte, um
seine Interessen durchzusetzen.