Karlspreis für Mario Draghi - «Großes für Europa geleistet»
17.01.2026 13:18
2024 mahnte Mario Draghi, dass Europa dringend innovativer werden
müsse, wenn es künftig noch eine Rolle spielen wolle. Um diese
Botschaft zu unterstreichen, wird der Italiener jetzt ausgezeichnet.
Aachen (dpa) - Für historische Verdienste um die europäische Einigung
wird der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario
Draghi, mit dem Karlspreis 2026 ausgezeichnet. Mit dem ehemaligen
italienischen Regierungschef ehre man eine Persönlichkeit, «die
zielgerichtet und mit unerschütterlicher Entschlossenheit Großes für
Europa geleistet hat», begründete das Karlspreis-Direktorium seine
Entscheidung.
Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als wichtigste
Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Er wird
traditionell am Himmelfahrtstag verliehen, dieses Jahr am 14. Mai.
Karlspreis-Direktorium schätzt die Lage als dramatisch ein
Das Direktorium hob unter anderem den 2024 von Draghi
veröffentlichten und nach ihm benannten Report zur europäischen
Wettbewerbsfähigkeit hervor. Draghi hatte darin gemahnt, dass die
Europäische Union dringend innovativer werden müsse, wenn sie nicht
den Anschluss an konkurrierende Wirtschaftsmächte wie die USA und
China verlieren wolle. Das Karlspreis-Direktorium schließt sich
dieser Einschätzung an: «Die Lage ist dramatisch», schrieb es in
seiner Begründung. «Europa droht zum Spielball anderer Mächte zu
werden.» Seine Handlungsfähigkeit könne Europa nur sichern, wenn es
wettbewerbsfähiger werde. Wirtschaftliche Stärke sei die Basis für
alles andere.
Draghi (78) selbst hatte sich kürzlich ernüchtert über den Stand der
bisherigen Umsetzung seiner Empfehlungen geäußert. «Die
Schwachstellen nehmen zu», konstatierte er in einer Rede in Brüssel.
Vor diesem Hintergrund bezeichnete das Direktorium die Zuerkennung
des Karlspreises an Draghi zum jetzigen Zeitpunkt als «ein bewusst
gesetztes» Signal an die Entscheidungsträger in Brüssel: «Wir forde
rn
die Europäische Kommission und europäischen Staats- und
Regierungschefs auf, jetzt den Draghi-Report umzusetzen», so das
Karlspreis-Direktorium.
Adenauer und Churchill unter ersten Preisträgern
Der Karlspreis war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Aachener
Bürgern gestiftet worden. Er ist nach Kaiser Karl dem Großen benannt,
dessen Frankenreich sich im Frühmittelalter über weite Teile
Westeuropas erstreckte und der deshalb manchmal als «Vater Europas»
bezeichnet wird. Seit vergangenem Jahr ist der Karlspreis mit einem
Preisgeld von einer Million Euro verbunden, gestiftet von einem
Aachener Ehepaar. Dieses Geld soll proeuropäischen Projekten
zugutekommen.
Zu den ersten Preisträgern gehörten Bundeskanzler Konrad Adenauer
(1954) und der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill
(1955). Im vergangenen Jahr ging der Preis an
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Der letzte Italiener,
der den Preis erhielt, war 2009 der Friedensvermittler und Gründer
der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, Andrea Riccardi.
