Karlspreis für Draghi - «Großes für Europa geleistet»
17.01.2026 15:42
Als damaliger EZB-Chef rettete Mario Draghi einst «im Alleingang» den
Euro. Sein «Whatever it takes« könnte jetzt aber auch das aktuelle
Leitmotto einer von Gegnern bedrängten EU sein.
Aachen (dpa) - Für historische Verdienste um die europäische Einigung
wird der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario
Draghi, mit dem Karlspreis 2026 ausgezeichnet. Mit dem ehemaligen
italienischen Regierungschef ehre man eine Persönlichkeit, «die
zielgerichtet und mit unerschütterlicher Entschlossenheit Großes für
Europa geleistet hat», begründete das Karlspreis-Direktorium seine
Entscheidung.
Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als wichtigste
Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Er wird
traditionell am Himmelfahrtstag verliehen, dieses Jahr am 14. Mai.
Die Botschaft aus Aachen: «Überwindet das Klein-Klein»
«Mario Draghi hat als Präsident der Zentralbank den Euro gerettet -
fast im Alleingang, als er auf der Kippe stand», sagte der
Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Armin Laschet (CDU), der
Deutschen Presse-Agentur. Draghi hatte 2012 auf dem Höhepunkt der
Euro-Krise gesagt, die EZB werde tun, «whatever it takes» - was immer
nötig ist -, um die gemeinsame Währung zu sichern. «Sein Wort
«Whatever it takes» gilt heute mehr denn je», sagte Laschet. Draghi
sei deshalb neben seinen historischen Verdiensten gleichzeitig
hochaktuell.
Mit seinem Draghi-Report zur Wettbewerbsfähigkeit Europas habe er
genau die Handlungsempfehlung vorgelegt, die Europa jetzt zur
Stärkung seiner Wettbewerbsfähigkeit benötige. Denn wenn Europa nicht
zum Spielball anderer Mächte werden wolle, müsse es wirtschaftlich
stark sein - davon hänge alles andere ab. «Deshalb müsste «Whatever
it takes» heute ein Leitmotto für die Kommission sein», erklärte
Laschet. Die Botschaft des Karlspreisdirektoriums laute: «Überwindet
das Klein-Klein. Setzt das um, was Mario Draghi in seinem Bericht
gefordert hat.»
Draghi sieht Europa von inneren und äußeren Feinden bedroht
Der 78 Jahre alte Draghi zeigte sich in einer Videobotschaft «äußerst
dankbar» für die Ehrung. «Diese Entscheidung kommt zu einer Zeit, zu
der Europa viele Feinde hat - vielleicht mehr Feinde denn je, sowohl
innere als auch äußere Feinde», sagte er. Um die Europäische Union
zu
bewahren, müssten die Europäer enger denn je zusammenstehen, mahnte
er. «Wir müssen unsere selbst verschuldeten Schwächen überwinden. U
nd
wir müssen stärker werden: militärisch, wirtschaftlich und
politisch.»
Adenauer und Churchill unter ersten Preisträgern
Der Karlspreis war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Aachener
Bürgern gestiftet worden. Er ist nach Kaiser Karl dem Großen benannt,
dessen Frankenreich sich im Frühmittelalter über weite Teile
Westeuropas erstreckte und der deshalb manchmal als «Vater Europas»
bezeichnet wird. Seit vergangenem Jahr ist der Karlspreis mit einem
Preisgeld von einer Million Euro verbunden, gestiftet von einem
Aachener Ehepaar. Dieses Geld soll proeuropäischen Projekten
zugutekommen.
Zu den ersten Preisträgern gehörten Bundeskanzler Konrad Adenauer
(1954) und der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill
(1955). Im vergangenen Jahr ging der Preis an
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Der letzte Italiener,
der den Preis erhielt, war 2009 der Friedensvermittler und Gründer
der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, Andrea Riccardi.
