Tausende demonstrieren gegen Trumps Grönland-Pläne Julia Wäschenbach und Jan Mies, dpa
17.01.2026 17:21
In Dänemark und auf Grönland demonstrieren Tausende Menschen gegen
die Übernahmepläne von US-Präsident Donald Trump. Auf der Arktisinsel
sammeln sich Soldaten - auch von der Bundeswehr.
Kopenhagen/Nuuk (dpa) - Tausende Menschen sind in Dänemark und auf
Grönland gegen die Annexionspläne von US-Präsident Donald Trump auf
die Straße gegangen. Während die Demonstrantinnen und Demonstranten
lautstark deutlich machten, dass die riesige Arktisinsel nicht zum
Verkauf stehe, läuft auf Grönland unter Beteiligung der Bundeswehr
eine Erkundungsmission vor einer Militärübung - und die soll mehrere
Monate andauern.
«Das, was wir gerade machen, ist, eine länger andauernde Übung zu
planen, kontinuierlich das ganze Jahr 2026 hindurch und vielleicht
auch ins Jahr 2027 hinein», sagte der Chef des Arktischen Kommandos,
Søren Andersen, der Deutschen Presse-Agentur in Nuuk. Er sprach von
einem möglichen Einsatz von Spezialeinheiten und Flugzeugen.
Trump hatte seine Pläne, Grönland den Vereinigten Staaten
einzuverleiben, immer wieder mit Sicherheitsbedenken wegen einer
Bedrohung durch China und Russland in der Region begründet. Ländern,
die gegen sein Vorhaben eintreten, drohte er zuletzt mit Strafzöllen.
Die Nato-Verbündeten sind überzeugt, dass Grönland, das Teil des
Königreichs Dänemark ist, nicht von den USA übernommen werden müsse
,
um die Arktis zu schützen.
Am Freitag waren unter anderem Bundeswehrangehörige auf Grönland
angekommen. «Die Deutschen und unter anderem auch Schweden und
Norweger sind hier oben, um zu eruieren, welche Möglichkeiten für ein
gemeinsames Training es hier gibt», sagte Andersen. Nach
dpa-Informationen sind neben Deutschland auch Schweden, Norwegen,
Großbritannien, die Niederlande und Island Teil der
Erkundungsmission.
Baldige Entscheidung über US-Teilnahme
Andersen sagte der dpa, die USA seien wie alle Nato-Nationen
eingeladen worden, «hier oben zu trainieren». Das Arktische Kommando,
das Teil der dänischen Streitkräfte ist, arbeite täglich mit dem
amerikanischen Militär zusammen. «Einer der Offiziere in meinem Stab
ist Teil des Stabs, der auf der Pituffik Space Base ist, der
amerikanischen Basis in Nordgrönland», sagte Andersen. «Wir arbeiten
mit den USA täglich zusammen, daran hat sich nichts geändert.»
Für die eigentliche Übung seien bislang nur französische Soldaten vor
Ort. «Die anderen Länder sind hier, um sich die Möglichkeiten
anzusehen. Ob die USA sich die Möglichkeiten ansehen, auch mit
anderen Nato-Ländern zu trainieren, darüber werden wir, glaube ich,
innerhalb des nächsten Monats eine Entscheidung haben», sagte
Andersen.
Derzeit werde eine Übung mit F-35-Flugzeugen an der grönländischen
Ostküste durchgeführt. «Da trainieren wir zusammen mit einem
französischen Flugzeug zur Luftbetankung», sagte der Chef des
Arktischen Kommandos. «Es ist nicht alles sichtbar, was gerade
passiert, manches passiert auf dem Wasser, manches in der Luft, aber
natürlich sind die, die jetzt nach Nuuk und Kangerlussuaq kommen,
sehr sichtbar.»
US-Parlamentarier wollen mit Rubio sprechen
In Kopenhagen hatten am Samstagmorgen mehrere US-Parlamentarier ihre
Unterstützung des Widerstands gegen Trump bekräftigt. «Grönland ist
Teil Dänemarks, und Dänemark ist ein Nato-Verbündeter», sagte der
demokratische Senator Chris Coons während einer Pressekonferenz in
der dänischen Hauptstadt. «Meiner Meinung nach sollte damit diese
Diskussion beendet sein.»
Coons bezeichnete die Aussagen zur Grönlandübernahme aus der
US-Regierung als «nicht konstruktiv». Die derzeitige Behandlung
Dänemarks könne der Beziehung beider Länder nachhaltig schaden. Wie
könne den USA vertraut werden, wenn der Nato-Verbündete Dänemark im
Stich gelassen werde, fragte der den Bundesstaat Delaware vertretende
Coons. Die Delegation kündigte an, mit US-Außenminister Marco Rubio
Kontakt aufnehmen zu wollen.
Die elf US-Parlamentarier, die nach Dänemark gereist waren,
versuchten zu verdeutlichen, dass Trumps Vorhaben in den USA auch auf
Widerstand stoße. Zwar gehörten zu der Gruppe nur zwei Vertreter von
Trumps republikanischer Partei. Dies sei aber kein Zeichen dafür,
dass sich die Republikaner in Gänze nicht für das Thema
interessierten oder schon für eine Seite entschieden hätten, sagte
die republikanische US-Senatorin Lisa Murkowski.
Tausende Menschen auf den Straßen
Sowohl in Dänemark als auch auf Grönland versammelten sich im Laufe
des Samstags Menschenmassen. «Die Botschaft aus Kopenhagen ist laut
und deutlich. Grönland ist keine Handelsware», sagte die
Oberbürgermeisterin der dänischen Hauptstadt, Sisse Marie Welling,
lokalen Medien zufolge.
Auf dem Rathausplatz waren etliche Grönland- und Dänemarkfahnen zu
sehen. «Grönland steht nicht zum Verkauf», war auf einem Schild der
Demonstranten zu lesen. In Aarhus sagte Bürgermeister Anders
Winnerskjold dem Sender DR, Grönland sei «nicht allein». In Nuuk
füllten die Demonstranten die Straßen. «Es wird gesungen», schrieb
der Sender DR in einem Live-Ticker.
