Konflikte/Nato/EU/Diplomatie/Militär/Wirtschaft/USA/Grönland/Dänemark / Trump will Grönland-Kauf mit Zöllen erzwingen Von Anna Ringle, Patricia Bartos, Jan Mies und Niklas Treppner, dpa
17.01.2026 21:51
Donald Trump eskaliert den Konflikt um Grönland: Der US-Präsident
kündigt Strafzölle gegen europäische Unterstützer der Insel - auch
Deutschland - an. Was bedeutet das für das Nato-Bündnis?
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump will mit Strafzöllen
einen Strich unter den Grönland-Streit setzen und einen Verkauf an
die USA erzwingen. Die deutsche Wirtschaft wäre von den neuen,
zusätzlichen Zöllen, die ab 1. Februar gelten sollen, auch betroffen.
Trump ärgert sich, dass Soldaten europäischer Staaten nach Grönland
geschickt worden sind. Er will Grönland, das Teil des Königreichs
Dänemark ist, den USA einverleiben.
Was genau hat Trump angekündigt?
Ab 1. Februar werden zusätzliche Zölle in Höhe von 10 Prozent für
Waren, die in die USA gesendet werden, erhoben. Ab dem 1. Juni soll
der Zollsatz dann auf 25 Prozent erhöht werden - die Zölle sollen so
lange gelten, bis ein Abkommen über den vollständigen Verkauf der
Arktisinsel an die USA zustande kommt. Der Schritt würde die
Wirtschaft in Europa schwer treffen. Aktuell gilt ohnehin schon ein
Zollsatz von 15 Prozent für die meisten EU-Exporte nach Amerika.
Betroffen von der neuen zusätzlichen Zoll-Ankündigung sind
Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich,
Großbritannien, die Niederlande und Finnland. Das sind alles
Nato-Verbündete der USA. Der Schritt Trumps ist beispiellos.
Wie fällt die Reaktion der Europäer aus?
Die Kritik fiel recht deutlich aus: EU-Kommissionspräsidentin Ursula
von der Leyen und Ratspräsident António Costa warnten vor einer
Untergrabung der transatlantischen Beziehungen und vor einer
«Abwärtsspirale». In Dänemark sei man überrascht über Trumps Dr
ohung,
teilte Außenminister Lars Løkke Rasmussen mit.
Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson schrieb in einem
X-Beitrag, man lasse sich nicht erpressen. Frankreichs Präsident
Emmanuel Macron sprach von «inakzeptablen» Zollandrohungen, die in
der aktuellen Diskussion nichts zu suchen hätten. Und selbst der
britische Premierminister Keir Starmer, der eigentlich eine gute
Beziehung zu Trump pflegt, sagte, es sei «völlig falsch», Verbündet
e
mit Zöllen zu bestrafen. Er wolle dies direkt mit der US-Regierung
besprechen.
Als konkrete Maßnahmen wären Gegenzölle eine denkbare Option und die
Einschränkung von Marktzugängen. Ende 2023 hatte die EU sich ein
Instrument gegeben, um sich gegen handelspolitischen Druck zu wehren.
Dabei geht es laut der entsprechenden Verordnung um eine Situation,
in der ein Drittland versucht, die EU oder einen Mitgliedstaat durch
Handelsmaßnahmen zu einer bestimmten Entscheidung zu bewegen. Die
Bandbreite der möglichen Gegenmaßnahmen ist demnach weit gefasst:
Zölle, Ein- und Ausfuhrbeschränkungen für Waren und Dienstleistungen
oder verschiedene Beschränkungen für den Zugang zum EU-Markt. Das
alles kann die EU-Kommission beschließen. Allerdings heißt es in der
entsprechenden Verordnung auch, die Gegenmaßnahmen seien nur ein
letztes Mittel und müssten verhältnismäßig sein.
Doch zugleich werden die Nato-Verbündeten aus Europa wohl viel dafür
tun, damit der Streit mit Trump nicht weiter eskaliert. Denn: Die
Nato braucht die USA als Bündnispartner.
Warum stellt sich Trump gegen Deutschland?
Offensichtlich hat der US-Präsident es zuletzt als Provokation
empfunden, dass mehrere europäische Länder in den vergangenen Tagen
einige Soldaten auf die Arktisinsel geschickt haben für eine
Erkundungsmission vor einer Militärübung. Diese wird von Dänemark
angeführt. Darauf geht der US-Präsident in seinem Post auf Truth
Social ein: Die nun abgestraften Länder seien «für unbekannte Zwecke
»
auf die Insel gereist.
Warum sind deutsche Soldaten überhaupt auf Grönland?
Laut Bundesverteidigungsministerium geht es darum, «die Möglichkeiten
der Gewährleistung der Sicherheit mit Blick auf russische und
chinesische Bedrohungen in der Arktis zu eruieren». Dies erfolge auf
Einladung und unter der Führung des Bündnispartners Dänemark. «Ziel
ist es, dass wir uns ein fundiertes Bild vor Ort verschaffen, für
weitere Gespräche und Planungen innerhalb der Nato.»
Erst am Mittwoch hatten sich der dänische Außenminister Lars Løkke
Rasmussen und die für Außenpolitik zuständige grönländische
Ministerin Vivian Motzfeldt mit US-Außenminister Marco Rubio sowie
US-Vizepräsident JD Vance in Washington getroffen - und gingen ohne
Einigung auseinander.
Welches Zeichen sendet Trump Richtung Europa?
Ein ganz klares: In dem «Spiel» - wie es Trump nennt und damit ein
Kräftemessen mit Russland und China meint - könnten nur die USA
erfolgreich mitspielen. Der Tenor lautet: Europa kann es mit solchen
Gegnern nicht aufnehmen. Der US-Präsident unterstellt bei seinen
Annexionsplänen, dass China und Russland Grönland im Nordatlantik
haben wollen. Er nennt nationale Sicherheitsinteressen der USA als
Grund für den Kaufanspruch.
Trump stößt die Europäer mit seinem Vorgehen vor den Kopf und stellt
sie bloß. Dänemark degradiert er in seinen Reden seit Tagen, indem er
die Sicherheitsvorkehrungen des Landes für Grönland mit der Präsenz
von zwei Hundeschlitten umschreibt.
Das weitgehend autonome Grönland gehört zum Hoheitsgebiet Dänemarks.
Die Insel ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groß
wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner. Die Insel ist
wegen ihres Rohstoffreichtums und als Basis für die militärische
Kontrolle der Arktis interessant.
Stimmt das mit der russischen und chinesischen Präsenz?
China macht einigen westlichen Militärs Sorgen. Der Oberbefehlshaber
der Nato-Streitkräfte in Europa, Alexus G. Grynkewich, sagte jüngst
zu möglichen Bedrohungen durch China, das Land trete vor allem im
hohen Norden immer aggressiver auf. So schickten die Chinesen
Forschungsschiffe in die Region, die dann unter wissenschaftlichem
Deckmantel vermutlich militärische Erkundungen vornähmen. In der
jüngsten eisfreien Jahreszeit seien Schiffe außerordentlich lange vor
der Nordküste Alaskas geblieben. Zudem gebe es gemeinsame Patrouillen
mit den Russen.
Der Chef des Arktischen Kommandos, Søren Andersen, sagte dem
Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): «Ich bin seit zweieinhalb
Jahren Kommandeur hier oben. Ich habe hier keine russischen oder
chinesischen Kriegsschiffe gesehen.» Natürlich arbeiteten China und
Russland im Arktischen Ozean zusammen, aber nicht in der Nähe von
Grönland. «Eher in Richtung Alaska, in russischen Gewässern, etwa im
Bereich der Beringstraße - aber nicht hier.»
