Konflikte/Nato/EU/Diplomatie/Militär/Wirtschaft/USA/Grönland/Dänemark / Trump-Ankündigung - EU-Spitzen warnen vor «Abwärtsspirale»
17.01.2026 23:51
Eskalation im Streit über Grönland: Der US-Präsident kündigt Zöll
e
auf Einfuhren aus Deutschland und anderen EU-Staaten an. Wie reagiert
die Union auf den nächsten Trump-Eklat?
Brüssel (dpa) - EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und
Ratspräsident António Costa warnen nach der Zoll-Drohung von
US-Präsident Donald Trump vor den Folgen. «Zölle würden die
transatlantischen Beziehungen untergraben und eine gefährliche
Abwärtsspirale riskieren», teilten beide in den sozialen Netzwerken
mit. «Europa wird weiterhin geeint und koordiniert vorgehen und sich
für die Wahrung seiner Souveränität einsetzen», heißt es weiter.
In einem beispiellosen Schritt kündigte Trump am frühen Samstagabend
unter Verweis auf den Konflikt um Grönland ab Februar zusätzliche
Zölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Staaten an -
alle von ihnen Nato-Länder. Die gestaffelten Zölle sollen so lange
gelten, bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf der Arktisinsel
erzielt werde, schrieb Trump auf Truth Social. Der US-Präsident hat
wiederholt deutlich gemacht, dass Amerika sich die Insel einverleiben
will - was die europäischen Nato-Partner vehement ablehnen. Grönland
ist weitgehend autonom und gehört zum Staatsgebiet des Nato-Mitglieds
Dänemark.
Trump stößt sich auch daran, dass Deutschland und andere europäische
Nato-Staaten jüngst Soldaten für eine Erkundungsmission vor einer
Militärübung auf die Insel geschickt haben.
In der gemeinsamen Stellungnahme der EU-Spitzen heißt es, die Übung
entspreche der Notwendigkeit, die Sicherheit in der Arktis zu stärken
und stelle für niemanden eine Bedrohung dar. Der Dialog bleibe von
entscheidender Bedeutung und die EU sei entschlossen, auf dem
zwischen dem Königreich Dänemark und den USA begonnenen Prozess
aufzubauen. Nach Gesprächen zwischen Vertretern Dänemarks, Grönlands
und der USA am Mittwoch hatte es von US-Seite geheißen, man habe sich
darauf geeinigt, eine Arbeitsgruppe einzurichten, die technische
Gespräche über den Kauf Grönlands führen solle.
EU-Chefdiplomatin: Russland und China freuen sich
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas reagierte ebenfalls mit Kritik
und Unverständnis auf die Ankündigung Trumps. China und Russland
würden sich ins Fäustchen lachen, teilte Kallas in sozialen Medien
mit. «Sie sind diejenigen, die von den Spaltungen unter den
Verbündeten profitieren.»
Wenn die Sicherheit Grönlands gefährdet sei, könne man dies innerhalb
der Nato angehen. «Zölle bergen die Gefahr, Europa und die
Vereinigten Staaten ärmer zu machen und unseren gemeinsamen Wohlstand
zu untergraben», schrieb die estnische Politikerin. Zudem dürfe der
Streit nicht von der Kernaufgabe ablenken, den Krieg in der Ukraine
zu beenden.
Ähnlich äußerte sich die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola.
Die von Trump angekündigten Maßnahmen riskierten, gemeinsame Feinde
zu ermutigen. Grönland stehe nicht zum Verkauf, daran änderten auch
Zölle nichts.
Fraktionen im EU-Parlament wollen Zoll-Deal nicht mehr
Eigentlich hatte die EU sich mit den USA im vergangenen Jahr im
Zollkonflikt auf einen Deal verständigt, dem das EU-Parlament noch
zustimmen muss. Demnach soll der US-Zoll von 15 Prozent für die
meisten europäischen Produkte gelten. Zölle auf US-Industriegüter
dagegen sollen vollständig abgeschafft werden, und Barrieren für den
Import von bestimmten Lebensmitteln sollen fallen.
Der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, teilte
mit, seine Fraktion befürworte den Zoll-Deal, doch eine Zustimmung
sei angesichts der Drohungen durch Trump zum jetzigen Zeitpunkt nicht
möglich. «Die Null-Prozent-Zölle auf US-Produkte müssen ausgesetzt
werden», so der CSU-Politiker.
Die EVP ist die größte Fraktion im Europäischen Parlament. Auch die
Chefinnen der Fraktion der Sozialdemokraten und der liberalen
Renew-Fraktion lehnen die Einigung mit Vereinigten Staaten nun ab und
posteten entsprechende Stellungnahmen auf X. Eine Annahme des
Zoll-Deals bei der Abstimmung im EU-Parlament nächste Woche scheint
damit nun ausgeschlossen.
Trump hatte die zusätzlichen Zölle unter Verweis auf den
Grönland-Konflikt am Samstag angekündigt. Ab dem 1. Februar sollen
Strafzölle in Höhe von 10 Prozent gelten, ab dem 1. Juni Zölle in
Höhe von 25 Prozent - auf alle Waren, die in die USA gesendet werden
- bis ein Abkommen über den Kauf Grönlands erzielt werde.
