Konflikte/Nato/EU/Diplomatie/Militär/Wirtschaft/USA/Grönland/Dänemark / EU-Krisensitzung wegen Trumps Zollandrohung
18.01.2026 03:23
Donald Trump hat im Konflikt um Grönland Zölle gegen acht europäische
Staaten angekündigt. Heute berät die EU, wie eine Antwort aussehen
könnte. Die EU-Spitzen warnen vor einer Abwärtsspirale.
Brüssel/Washington (dpa) - Nach der Zollandrohung von US-Präsident
Donald Trump gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder
im Grönland-Konflikt ringt die Europäische Union um eine schnelle
Antwort. In einer Krisensitzung kommen heute Nachmittag in Brüssel
Vertreter der EU-Staaten auf Botschafterebene zusammen. Ob dabei
mögliche Gegenmaßnahmen besprochen werden, blieb zunächst unklar.
In einem beispiellosen Schritt hatte Trump am Samstag unter Verweis
auf den Konflikt um Grönland ab Februar zusätzliche Zölle gegen
Deutschland und sieben weitere europäische Staaten angekündigt - alle
von ihnen Nato-Länder. Die gestaffelten Zölle sollen so lange gelten,
bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf der Arktisinsel erzielt
werde, schrieb Trump auf Truth Social.
Der US-Präsident hat wiederholt deutlich gemacht, dass Amerika sich
die Insel einverleiben will - was die europäischen Nato-Partner
vehement ablehnen. Trump zufolge würden ansonsten Russland oder China
die Insel übernehmen. Grönland ist weitgehend autonom und gehört zum
Staatsgebiet des Nato-Mitglieds Dänemark.
Die Nato-Verbündeten sind dagegen überzeugt, dass Grönland nicht von
den USA übernommen werden müsse, um die Arktis zu schützen. Trump
stößt sich auch daran, dass Deutschland und andere europäische
Nato-Staaten jüngst Soldaten für eine Erkundungsmission vor einer
Militärübung auf die Insel geschickt haben.
EU-Spitzen warnen nach Zollandrohung
Die EU-Spitzen warnten nach der Zollandrohung davor, «Zölle würden
die transatlantischen Beziehungen untergraben und eine gefährliche
Abwärtsspirale riskieren». EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der
Leyen und Ratspräsident António Costa teilten beide weiter in den
sozialen Netzwerken mit: «Europa wird weiterhin geeint und
koordiniert vorgehen und sich für die Wahrung seiner Souveränität
einsetzen».
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas teilte in den sozialen Medien
mit, China und Russland würden sich ins Fäustchen lachen. «Sie sind
diejenigen, die von den Spaltungen unter den Verbündeten
profitieren.» Ähnlich äußerte sich die EU-Parlamentspräsidentin
Roberta Metsola. Die von Trump angekündigten Maßnahmen riskierten,
gemeinsame Feinde zu ermutigen. Grönland stehe nicht zum Verkauf,
daran änderten auch Zölle nichts.
Während andere Regierungschefs wie Frankreichs Präsident Emmanuel
Macron oder der britische Premierminister Keir Starmer öffentlich den
Vorstoß Trumps kritisierten, äußerte sich Bundeskanzler Friedrich
Merz (CDU) zunächst nicht dazu. Regierungssprecher Stefan Kornelius
sagte lediglich, die Bundesregierung befinde sich in engster
Abstimmung mit den europäischen Partnern. Auch die Nato reagierte
zunächst nicht.
Widerstand auch in den USA
Auch im US-Kongress in Washington regte sich Widerstand gegen Trumps
Zollandrohung. Der demokratische Minderheitsführer im US-Senat, Chuck
Schumer, kündigte an, die angedrohten Zölle stoppen zu wollen. «Die
Demokraten im Senat werden ein Gesetz einbringen, um diese Zölle zu
blockieren, bevor sie der amerikanischen Wirtschaft und unseren
Verbündeten in Europa weiteren Schaden zufügen», teilte Schumer mit.
Die törichten Zölle Trumps hätten die Preise bereits in die Höhe
getrieben und der US-Wirtschaft geschadet.
Jetzt verschlimmere Trump die Lage nur noch mehr, teilte Schumer mit.
Die Demokraten sind im Senat zwar in der Minderheit, zu Trumps
Zoll-Plänen haben sich aber auch bereits Republikaner kritisch
geäußert.
Die beiden Co-Vorsitzenden der parteiübergreifenden
Nato-Beobachtergruppe des Senats, die demokratische Senatorin Jeanne
Shaheen und der republikanische Senator Thom Tillis, erklärten: Eine
solche Rhetorik helfe Gegnern wie Kremlchef Wladimir Putin und Chinas
Staats- und Parteichef Xi Jinping, «die eine Spaltung der Nato sehen
wollen». «Zu einer Zeit, in der viele Amerikaner bereits über
steigende Lebenshaltungskosten besorgt sind, würden diese Zölle die
Preise sowohl für Familien als auch für Unternehmen erhöhen.»
Fraktionen im EU-Parlament wollen Zoll-Deal nicht mehr
Die EU und die USA hatten sich im vergangenen Jahr im Zollkonflikt
auf einen Deal verständigt, dem das EU-Parlament noch zustimmen muss.
Demnach soll der US-Zoll von 15 Prozent für die meisten europäischen
Produkte gelten. Zölle auf US-Industriegüter dagegen sollen
vollständig abgeschafft werden, und Barrieren für den Import von
bestimmten Lebensmitteln sollen fallen.
Der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, teilte
mit, seine Fraktion befürworte den Zoll-Deal, doch eine Zustimmung
sei angesichts der Drohungen durch Trump zum jetzigen Zeitpunkt nicht
möglich. «Die Null-Prozent-Zölle auf US-Produkte müssen ausgesetzt
werden», erklärte der CSU-Politiker. Die EVP ist die größte Frakt
ion
im Europäischen Parlament.
Auch die Chefinnen der Fraktion der Sozialdemokraten und der
liberalen Renew-Fraktion lehnen die Einigung mit den Vereinigten
Staaten nun ab. Eine Annahme des Zoll-Deals bei der Abstimmung im
EU-Parlament nächste Woche scheint damit nun ausgeschlossen.
Expertin: Trump will mit Zoll-Drohung Europäer spalten
Nach Ansicht der Forschungsgruppenleiterin Amerika der Stiftung
Wissenschaft und Politik (SWP) will Trump mit seiner Zollandrohung
die Europäer spalten. «Trump macht das, weil er es kann und weil
Grönland für ihn eine wichtige «Trophäe» ist», sagte Laura von
Daniels der Deutschen Presse-Agentur. Er nutzte die Zölle gegen
einzelne europäische Staaten, «um maximal Druck aufzubauen und die
Europäer, die bisher in der Grönland-Krise eng zusammenstehen, zu
spalten.»
Erkundungsmission auf Grönland läuft
Auf Grönland läuft aktuell unter Beteiligung der Bundeswehr eine
Erkundungsmission. Deutschland und weiteren Nationen geht es zunächst
um eine Erkundungsmission vor einer eigentlichen Militärübung. Nach
Angaben des Verteidigungsministeriums sollen die deutschen
Soldatinnen und Soldaten auf der Insel Bedingungen für gemeinsame
Militärübungen prüfen. Es gehe um die Frage, ob die Arktis sicher sei
und inwiefern Deutschland mit seinen Nato-Partnern dazu beitragen
könne, sagte ein Sprecher.
Das deutsche Team - 15 Männer und Frauen - besteht demnach aus
Logistikern und Experten unterschiedlicher Bereiche. Es war am
Freitag auf Grönland eingetroffen.
Trump kritisierte die Entsendung der Soldatinnen und Soldaten.
«Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland,
Großbritannien, die Niederlande und Finnland sind nach Grönland
gereist, für unbekannte Zwecke», schrieb Trump. Dies sei eine «sehr
gefährliche Situation» für die Sicherheit, den Schutz und das
Überleben des Planeten. Die Zölle würden für alle genannten Lände
r
gelten.
Demos gegen US-Annexion
Am Samstag hatten in Dänemark und auf Grönland Tausende Menschen
gegen die Annexionspläne des US-Präsidenten demonstriert. In
Kopenhagen kündigten US-Parlamentarier an, das Gespräch mit
US-Außenminister Marco Rubio suchen zu wollen.
Trump hatte angekündigt, ab dem 1. Februar sollten Strafzölle in Höhe
von 10 Prozent gelten, ab dem 1. Juni Zölle in Höhe von 25 Prozent -
auf alle Waren, die in die USA gesendet werden - bis ein Abkommen
über den Kauf Grönlands erzielt werde. Aktuell gilt seit Sommer für
die meisten EU-Exporte nach Amerika ein Zollsatz von 15 Prozent.
