Konflikte/Nato/EU/Diplomatie/Militär/Wirtschaft/USA/Grönland/Dänemark / Europäer wollen Trumps Zolldrohung gemeinsam kontern Von den dpa-Korrespondenten

18.01.2026 18:10

Im Konflikt um die US-Ansprüche auf Grönland kündigt der US-Präside
nt
Strafzölle an. Betroffen sind Deutschland und sieben andere
europäische Staaten. Sie wollen sich wehren - aber wie?

Berlin/Brüssel/Washington (dpa) - Deutschland und die übrigen
betroffenen europäischen Staaten wollen von US-Präsident Donald Trump
angekündigte Strafzölle im Grönland-Konflikt nicht hinnehmen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Kolleginnen und Kollegen
kündigten am Sonntag eine geeinte und koordinierte Reaktion an. 

«Zolldrohungen untergraben die transatlantischen Beziehungen und
bergen das Risiko einer Eskalation», heißt es in einer gemeinsamen
Erklärung Deutschlands mit Dänemark, Finnland, Frankreich, den
Niederlanden, Norwegen, Schweden und Großbritannien. Man sei
entschlossen, die eigene Souveränität zu wahren. Merz meldete sich
mit ähnlichem Wortlaut auch auf der Plattform X. 

Hintergrund ist der Streit um Grönland. Trump will die zu Dänemark
gehörende Arktisinsel den USA einverleiben und hatte zusätzliche
Zölle gegen diese acht europäischen Nato-Partner angekündigt, um
seinen Plan durchzusetzen.

«Gift für das transatlantische Verhältnis»

Außenminister Johann Wadephul erwartet, dass das für die USA sehr
günstige Zollabkommen mit der EU nun vorerst nicht vom
Europaparlament ratifiziert wird. Auch Gegenzölle schloss Wadephul in
der ARD nicht aus: Wenn die USA weitere Maßnahmen ergriffen, «dann
wird es eine europäische Antwort geben müssen». Es werde intensive
Gespräche mit Washington geben. Insgesamt wären Zölle «die falsche

Antwort zwischen Verbündeten» und «Gift für das transatlantische
Verhältnis», meinte der CDU-Politiker.

 

Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sagte bei einem Termin in
Rheinland-Pfalz: «Wir dürfen uns nicht erpressen lassen von dem, was
da gerade passiert.» Den Weg, den Trump einschlage, könne man nicht
mitgehen. «Für mich ist wichtig, dass es eine gemeinsame deutliche
Antwort der Europäer gibt. Sie muss klar in den USA gehört werden.»
 

Trump kommt nach Davos

Erwogen wird ein EU-Sondergipfel, möglicherweise als Online-Schalte.
Zunächst wurden für Sonntagnachmittag die ständigen Vertreter der 27

EU-Länder in Brüssel zusammengerufen. Gelegenheit zum Krisengespräch

könnte auch das Weltwirtschaftsforum in Davos sein: Trump wird dort
am Mittwoch erwartet, ebenso wie Merz. 

Trumps europäische Nato-Partner sind strikt gegen seine Ansprüche auf
Grönland. Doch Trump baut Druck auf: Die am Samstag angekündigten
US-Zölle sollen so lange gelten, bis ein Abkommen über den
vollständigen Kauf der Arktisinsel erzielt wird, wie Trump auf seiner
Plattform Truth Social schrieb. Ab dem 1. Februar sollen demnach 10
Prozent für in die USA gesendete Waren fällig werden, ab dem 1. Juni
25 Prozent. 

Trump begründet seine Forderung mit der Sicherheit für die Region und
die US-Bevölkerung, er macht eine Bedrohung durch China und Russland
geltend. Anstoß nahm Trump an der militärischen Erkundungsmission der
acht von der Zoll-Drohung betroffenen Länder auf Grönland. Diese
sollte wohl ein Engagement für die von Trump herausgestellte
Sicherheit in der Arktis demonstrieren. Die erst am Freitag
gelandeten 15 beteiligten Bundeswehr-Soldaten reisten nach
offiziellen Angaben am Sonntag wieder ab - das Team habe den Auftrag
erfüllt, die Ergebnisse würden ausgewertet, hieß es. 

«Für niemanden eine Bedrohung»

In der gemeinsamen Erklärung der acht Staaten hieß es: «Als Alliierte

der Nato sind wir der Stärkung der Sicherheit in der Arktis
verpflichtet. Dies ist ein gemeinsames transatlantisches Interesse.»
Die von Dänemark koordinierte Übung «Arctic Endurance» diene der
Sicherheit in der Arktis. «Die Übung stellt für niemanden eine
Bedrohung dar», erklärten die acht Länder.

Und weiter: «Wir stehen in voller Solidarität an der Seite des
Königreichs Dänemark und der Bevölkerung Grönlands.» Dänemarks

Regierungschefin Mette Frederiksen begrüßte die Unterstützung und
sagte, man suche keinen Konflikt mit den USA. Aber: «Europa lässt
sich nicht erpressen.»

«Würde die Beziehungen untergraben»

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratschef
António Costa warnten, «Zölle würden die transatlantischen
Beziehungen untergraben und eine gefährliche Abwärtsspirale
riskieren». Auch sie sprachen von einer geeinten Antwort.

Die Eskalation ist für die Europäer sehr heikel, weil sie im Rahmen
der Nato auf Verteidigungsunterstützung der USA angewiesen sind und
Washington nicht verprellen wollen. Das gilt insbesondere für
Deutschland, das keine eigenen Atomwaffen besitzt. Wadephul
widersprach im «Bericht aus Berlin» jedoch solchen Sorgen. «Es gibt
überhaupt keinen Zweifel, dass die Vereinigten Staaten von Amerika
voll und ganz zum Bündnis, zur Nato stehen und auch zur Verteidigung
Europas», sagte der CDU-Politiker.

Maschinenbauer: «Nicht erpressen lassen»

Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge forderte, auf Trump mit
der Androhung von Gegenzöllen zu antworten. Die
Linken-Außenpolitikerin Lea Reisner sagte: «Auch Friedrich Merz
sollte doch endlich erkennen, dass die USA kein Verbündeter mehr
sind.» 

Selbst der deutsche Maschinenbauverband VDMA, dessen Mitgliedsfirmen
unter höheren Zöllen leiden könnten, forderte eine entschlossene
Reaktion: «Europa darf sich nicht erpressen lassen, auch nicht von
den Vereinigten Staaten», sagte VDMA-Präsident Bertram Kawlath. Die
Deutsche Industrie- und Handelskammer äußerte sich zurückhaltender.
 

Fraktionen im EU-Parlament wollen Zoll-Deal nicht mehr 

Die EU und die USA hatten im vergangenen Jahr den vorherigen Konflikt
über Trumps Zollpolitik vorläufig mit einem Abkommen ausgeräumt.
Diesem muss das EU-Parlament aber noch zustimmen. Demnach soll der
US-Zoll von 15 Prozent für die meisten europäischen Produkte gelten.
Zölle auf US-Industriegüter dagegen sollen vollständig abgeschafft
werden, und Barrieren für den Import von bestimmten Lebensmitteln
sollen fallen. 

Nach Trumps Drohung erklärte der Chef der Europäischen Volkspartei
(EVP), Manfred Weber, eine Zustimmung sei zum jetzigen Zeitpunkt
nicht möglich. «Die Null-Prozent-Zölle auf US-Produkte müssen
ausgesetzt werden», erklärte der CSU-Politiker. Damit fehlt für die

Ratifizierung die Mehrheit.

Widerstand auch in den USA

Auch im US-Kongress in Washington regt sich von den oppositionellen
Demokraten Widerstand gegen Trumps Zollandrohung. Der demokratische
Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, will die angedrohten Zölle
nach eigenen Worten per Gesetz blockieren, «bevor sie der
amerikanischen Wirtschaft und unseren Verbündeten in Europa weiteren
Schaden zufügen», wie er erklärte.