Konflikte/Nato/EU/Diplomatie/Militär/Wirtschaft/USA/Grönland/Dänemark / EU organisiert wegen Trumps Zoll-Drohungen Sondergipfel

18.01.2026 21:28

Wie gegen Erpressung wehren? Die EU-Staaten beraten, wie eine
Reaktion auf die Zolldrohung von US-Präsident-Trump aussehen könnte.
Ende der Woche soll es einen Sondergipfel geben.

Brüssel (dpa) - EU-Ratspräsident António Costa wird nach den neuen
Zoll-Drohungen von US-Präsident Donald Trump im Grönland-Streit einen
Sondergipfel einberufen. Als Termin für ein Treffen der europäischen
Staats- und Regierungschefs kommt nach Angaben einer EU-Beamtin
Donnerstag infrage. Sicher sei aber bislang nur, dass es ein
physisches Treffen Ende der Woche geben solle.

Costa teilte mit, seine Konsultationen mit Mitgliedstaaten zu den
jüngsten Spannungen im Zusammenhang mit Grönland hätten die
gemeinsame Einschätzung deutlich gemacht, dass Zölle die
transatlantischen Beziehungen untergraben würden und mit dem
EU-USA-Handelsabkommen unvereinbar seien. 

Man sei bereit, sich gegen jede Form von Zwang zu verteidigen.
Zugleich wolle man weiterhin konstruktiv mit den USA
zusammenzuarbeiten. Es gebe ein gemeinsames transatlantisches
Interesse an Frieden und Sicherheit in der Arktis, insbesondere durch
Zusammenarbeit im Rahmen der Nato.

«Handels-Bazooka» wäre mögliche Option

Bei den Beratungen auf europäischer Ebene über die Reaktion auf den
offenen Erpressungsversuch des US-Präsidenten dürfte auch die
Aktivierung eines EU-Instruments zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung
diskutiert werden - dieses wird auch als «Handels-Bazooka»
bezeichnet. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werde beantragen,
das sogenannte Anti-Coercion Instrument (ACI) zu nutzen, hieß es aus
dem Umfeld des Präsidenten. 

Das Gesetz ermöglicht der EU Gegenmaßnahmen, wenn wirtschaftlicher
Druck ausgeübt wird, um politische Entscheidungen zu erzwingen.
Dadurch wären etwa Vergeltungszölle auf den Import von US-Waren
möglich. Als eine Option gilt, die im vergangenen Jahr während des
Zollkonflikts geplanten Vergeltungsmaßnahmen zu beschließen.
Vorgesehen war damals, Vergeltungszölle auf US-Importe im Wert von
rund 93 Milliarden Euro zu verhängen. 

US-Präsident will Grönland-Kauf mit Zöllen erzwingen

Trump hatte am Samstag wegen des Grönland-Streits angekündigt, ab dem
1. Februar sollten Strafzölle in Höhe von 10 Prozent gelten, ab dem
1. Juni Zölle in Höhe von 25 Prozent - auf alle Waren, die in die USA
gesendet werden - bis ein Abkommen über den Kauf Grönlands erzielt
werde. Betroffen von der Zoll-Androhung sind acht europäische
Nato-Länder, die jüngst Soldaten zu einer Erkundungsmission auf die
Insel geschickt haben, darunter Deutschland.

Aktuell gilt seit Sommer für die meisten EU-Exporte nach Amerika ein
Zollsatz von 15 Prozent. Bereits am späten Sonntagnachmittag war
daher eine Krisensitzung der Vertreter der EU-Staaten auf
Botschafterebene abgehalten worden.