Konflikte/Nato/EU/Diplomatie/Militär/Wirtschaft/USA/Grönland/Dänemark / Wie Trump kontern? EU beruft Sondergipfel ein

19.01.2026 02:33

Nach den Ankündigungen des US-Präsidenten im Streit um Grönland ber
ät
die EU ihre Reaktion. Noch Ende der Woche will man zusammenkommen.
Wird erstmals die «Handels-Bazooka» eingesetzt?

Berlin/Brüssel/Washington (dpa) - Nach den Zoll-Drohungen des
US-Präsidenten Donald Trump im Streit um Grönland befindet sich
Europa auf Kollisionskurs mit den Vereinigten Staaten. Bei einem
Sondergipfel der europäischen Rats- und Regierungschefs Ende der
Woche dürfte es auch um die milliardenschweren Gegenmaßnahmen gehen,
die der EU als Handelsoption zur Verfügung stehen. «Wir werden stets
unsere strategischen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen
Interessen schützen», schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von
der Leyen am Sonntagabend auf X.

Kurz davor hatte EU-Ratspräsident António Costa die Einberufung des
Sondergipfels erklärt. Als Termin kommt nach Angaben einer EU-Beamtin
Donnerstag infrage. 

Costa: Bereit, sich gegen jede Form von Zwang zu verteidigen

Costa teilte mit, die Mitgliedstaaten seien sich einig, dass Zölle
die transatlantischen Beziehungen untergraben würden und mit dem
EU-USA-Handelsabkommen unvereinbar seien. Man sei bereit, sich gegen
jede Form von Zwang zu verteidigen. Von der Leyen zeigte sich
solidarisch mit Grönland und Dänemark. Man stehe «fest zu unserem
Engagement, die Souveränität Grönlands und des Königreichs Dänema
rk
zu wahren».

Trump will die zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland den USA
einverleiben und hatte am Samstag zusätzliche Zölle gegen Deutschland
und weitere sieben europäischen Nato-Partner angekündigt, um seinen
Plan durchzusetzen. Ab dem 1. Februar sollen demnach 10 Prozent für
in die USA gesendete Waren fällig werden, ab dem 1. Juni 25 Prozent. 

«Handels-Bazooka» und milliardenschwere Liste mit Gegenzöllen

Die europäischen Staaten wollen das nicht hinnehmen. Bundeskanzler
Friedrich Merz (CDU) und seine Kolleginnen und Kollegen kündigten am
Sonntag eine geeinte Reaktion an. Im Raum steht etwa, ein EU-Gesetz
zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung zu nutzen. 

Frankreich hatte signalisiert, die Aktivierung des sogenannten
Anti-Coercion Instrument (ACI) beantragen zu wollen, wie es aus dem
Umfeld von Präsident Emmanuel Macron hieß. Das Instrument wird auch
als «Handels-Bazooka» bezeichnet, weil es der EU weitreichende und
flexible Möglichkeiten gibt. 

Das Gesetz ermöglicht, Vergeltungszölle auf den Import von US-Waren
zu verhängen. Zudem könnten US-Unternehmen von der Vergabe
öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden - oder für bestimmte
Produkte Ein- und Ausfuhrbeschränkungen erlassen werden.

Als eine Option gilt auch, die Aussetzung der im vergangenen Jahr
während des Zollkonflikts geplanten Vergeltungsmaßnahmen nicht zu
verlängern. Vorgesehen war damals, Vergeltungszölle auf US-Importe im
Wert von rund 93 Milliarden Euro zu verhängen. Die EU hatte diese
bereits beschlossenen Gegenmaßnahmen Anfang August nach einer
Einigung mit den Vereinigten Staaten für sechs Monate ausgesetzt.
Entscheidet die EU-Kommission sich nun also bewusst dafür, würden die
damals bereits vorbereiteten Maßnahmen Anfang Februar automatisch in
Kraft treten. 

Costa verweist auch auf gemeinsame Interessen mit USA

EU-Ratspräsident Costa fügte in seiner Mitteilung hinzu, man wolle
weiterhin konstruktiv mit den USA zusammenzuarbeiten. Es gebe ein
gemeinsames transatlantisches Interesse an Frieden und Sicherheit in
der Arktis, insbesondere durch Zusammenarbeit im Rahmen der Nato. 

Zunächst hatten die Staats- und Regierungschefs der acht betroffenen
Länder mit einer gemeinsamen Erklärung reagiert. «Zolldrohungen
untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen das Risiko
einer Eskalation», hieß es in der Stellungnahme von Deutschland,
Dänemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden
und Großbritannien. Man sei entschlossen, die eigene Souveränität zu

wahren. 

Außenminister Johann Wadephul schloss Gegenzölle nicht aus. Wenn die
USA weitere Maßnahmen ergriffen, «dann wird es eine europäische
Antwort geben müssen», sagte der CDU-Politiker im «Bericht aus
Berlin» der ARD. Es werde intensive Gespräche mit Washington geben. 


Nato-Chef und Starmer sprechen direkt mit Trump 

Nato-Generalsekretär Mark Rutte und der britische Premierminister
Keir Starmer führten am Sonntag Telefongespräche mit Trump. Von Rutte
hieß es, er habe mit dem US-Präsidenten über die Sicherheitslage in
Grönland und der Arktis geredet. «Wir werden weiter daran arbeiten»,

sagte er und fügte hinzu, dass er sich auf ein Treffen mit Trump in
Davos freue. In Davos findet das Weltwirtschaftsforum statt, zu dem
am Mittwoch auch Trump erwartet wird. Starmer habe in dem Gespräch
mit Trump erneut betont, dass es falsch sei, Zölle bei Verbündeten zu
erheben, wenn diese sich für die kollektive Sicherheit der
Nato-Verbündeten einsetzten, sagte eine Sprecherin.

US-Finanzminister: wollen Grönland, um Konflikt zu vermeiden

Die US-Regierung hat ihr Ziel, Grönland den USA einzuverleiben, mit
der Vermeidung eines möglichen Konflikts in der Arktisregion
begründet. US-Finanzminister Scott Bessent sagte in der Sendung «Meet
the Press» des US-TV-Senders NBC News: Grönland könne nur verteidigt

werden, wenn es Teil der USA sei - und wenn Grönland Teil der
Vereinigten Staaten sei, werde es erst gar keine Notwendigkeit geben,
es verteidigen zu müssen. «Der Präsident versucht, einen Konflikt zu

vermeiden.» Bessent sagte auch: «Die Europäer wirken schwach. Die USA

wirken stark.» Die USA würden ihre nationale Sicherheit nicht
outsourcen. 

Trump hatte sich auch an einer militärischen Erkundungsmission mit
Soldaten der acht von der Zoll-Drohung betroffenen Länder auf
Grönland gestoßen. Die 15 beteiligten Bundeswehr-Soldaten reisten am
Sonntag wieder ab. In der Erklärung der acht Staaten hieß es, als
Alliierte der Nato sei man der Stärkung der Sicherheit in der Arktis
verpflichtet. Die von Dänemark koordinierte Übung «Arctic Endurance
»
stelle für niemanden eine Bedrohung dar.

Errungener Zoll-Deal wohl zunächst auf Eis gelegt

Diese Woche steht neben dem Sondergipfel eine Abstimmung im
Europaparlament über den schon vor Monaten zwischen der EU und USA
ausgehandelten Zolldeal an, der für die USA sehr günstige Bedingungen
brächte. Demnach soll der US-Zoll von 15 Prozent für die meisten
europäischen Produkte gelten. Zölle auf US-Industriegüter dagegen
sollen vollständig abgeschafft werden und Barrieren für den Import
von bestimmten Lebensmitteln sollen fallen.

Dafür ist nun keine Mehrheit mehr in Sicht, da die größten Fraktionen

im EU-Parlament bereits deutlich machten, dem Deal nach Trumps
Drohungen nicht mehr zustimmen zu wollen - womöglich ein Hebel für
die Europäer in dem Konflikt.

Heute empfängt Nato-Generalsekretär Rutte Minister aus Dänemark und
Grönland. Die für Außenpolitik zuständige grönländische Ministe
rin
Vivian Motzfeldt und der dänische Verteidigungsminister Troels Lund
Poulsen kommen zu dem Treffen im Nato-Hauptquartier in Brüssel.