Sterberaten bei Lungenkrebs gehen in der EU zurück

19.01.2026 05:00

Lungenkrebs bleibt die häufigste Krebstodesursache in der EU. Doch in
fast allen Altersgruppen ist die Tendenz positiv.

Mailand (dpa) - Die Sterberate bei Lungenkrebs geht in der
Europäischen Union (EU) weiter zurück - inzwischen auch bei Frauen.
Während die Sterberate bei Männern bereits seit etwa 1990 rückläufi
g
war, stieg sie bei den Frauen bis in die 2010er Jahre weiter an,
allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau als bei den
Männern. 

Für 2026 prognostiziert eine Forschergruppe um Carlo La Vecchia von
der Universität Mailand (Italien) eine um Alterseffekte bereinigte
Sterberate von 23 Todesfällen pro 100.000 Einwohnern bei den Männern
und 12 Todesfälle bei den Frauen. In Deutschland liegen die Werte bei
Männern etwas höher und bei Frauen etwas niedriger. Die Studie ist im
Fachmagazin «Annals of Oncology» erschienen. 

Größter Rückgang bei Jüngeren

Für Deutschland prognostizieren die Forscher eine um Alterseffekte
bereinigte Lungenkrebs-Sterberate bei Männern von 20 Todesfällen auf
100.000 Personen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2015 bis 2019 wäre
dies ein Rückgang um knapp ein Viertel. Für Frauen liegt die
prognostizierte Sterberate bei 14, ein Rückgang um knapp 7 Prozent.
Den größten Rückgang gegenüber dem Vergleichszeitraum ermittelten d
ie
Wissenschaftler für die Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen, nämlich

um mehr als 40 Prozent bei insgesamt niedrigen Fallzahlen. 

«Lungenkrebs ist in der EU weiterhin die häufigste Krebstodesursache
bei beiden Geschlechtern», wird La Vecchia in einer Mitteilung der
Fachgesellschaft «European Society for Medical Oncology» zitiert, die
das Fachmagazin herausgibt. Sein Forschungsteam hat zum 16. Mal eine
Voraussage für die Krebssterberaten im aktuellen Jahr für zahlreiche
europäische Staaten erstellt. «Unsere bisherigen
Krebssterblichkeitsprognosen für Europa haben sich als zuverlässig
erwiesen», schreiben die Studienautoren. Sie nutzten Daten der
Weltgesundheitsorganisation und der Vereinten Nationen von 1970 bis
2022, um in Computermodellen Werte für 2026 zu ermitteln. 

Ausnahme: Seniorinnen

Beim Rückgang der Sterberaten gibt es eine Ausnahme: Bei Frauen im
Alter von 75 Jahren oder mehr steigt die Sterberate auf 151, ein
Anstieg um 19 Prozent gegenüber 2015 bis 2019. Der Trend ist in
anderen EU-Staaten ähnlich.

Den Grund dafür sehen die Forscher im Rauchverhalten der Menschen:
Die Männer hätten früher als die Frauen mit dem Rauchen begonnen,
aber auch früher begonnen, damit aufzuhören. «Unsere Ergebnisse
unterstreichen die anhaltende Bedeutung des Rauchens für die
Krebssterblichkeit; die Einschränkung des Tabakkonsums ist nach wie
vor der Eckpfeiler der Lungenkrebsprävention und spielt auch bei der
Prävention anderer Krebsarten, wie Bauchspeicheldrüsenkrebs, eine
Rolle», betont La Vecchia. Daneben hätten gesündere Ernährung und
medizinischer Fortschritt zu den günstigen Prognosen beigetragen. 

Positive Entwicklung auch bei anderen Krebsarten

Denn die rückläufigen Zahlen gelten, mit wenigen Ausnahmen, auch für

andere Krebsarten. Für alle Krebsarten zusammengenommen geben die
Forscher bei Männern in der EU eine Sterberate von 114 für 2026 an,
das wäre ein Rückgang gegenüber dem Zeitraum 2020 bis 2022 um knapp 8

Prozent. Bei den Frauen beträgt 2026 die Sterberate 75 Prozent, ein
Rückgang um 6 Prozent. Eine Ausnahme ist der Bauchspeicheldrüsenkrebs
bei Frauen: Hier ist die Sterberate gegenüber 2020 bis 2022 um 1
Prozent angestiegen; die Rate beträgt nun 6. Wenngleich die
Sterberaten sinken, sind die absoluten Fallzahlen wegen der Alterung
der Bevölkerung gestiegen. 

Um die Sterberaten bei Krebserkrankungen weiter zu reduzieren,
empfehlen die Studienautoren: «Eine Verschärfung der Tabaksteuer, die
Umsetzung von Werbeverboten, die Schaffung rauchfreier Umgebungen und
die Bereitstellung von Unterstützung bei der Raucherentwöhnung sind
unerlässlich, um regionale und sozioökonomische Unterschiede zu
verringern und eine nachhaltige Senkung der Krebssterblichkeit in
ganz Europa zu erreichen.» 

Darüber hinaus blieben die Bekämpfung von Übergewicht, die
Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten, die Kontrolle des
Alkoholkonsums sowie der Ausbau und die Verbesserung der Durchführung
von Bevölkerungsscreenings zur Früherkennung von Gebärmutterhals-,
Brust- und Darmkrebs wichtige Strategien in der Krebsprävention,
betonen die Forscher.