Grönland-Konflikt: Grüne werfen CDU Realitätsflucht vor

19.01.2026 16:25

Grünen-Fraktionschefin Dröge kritisiert die CDU für ihren Umgang mit

Trumps Drohungen. Wo sie Realitätsverweigerung und fehlende Strategie
sieht.

Berlin (dpa) - Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge wirft
der CDU im Konflikt um die Besitzansprüche der USA auf Grönland
Realitätsverweigerung und Planlosigkeit vor. US-Präsident Donald
Trump spreche inzwischen offen aus, «dass so etwas wie ein
internationales Recht für ihn nicht existiert, sondern allein seine
eigenen Entscheidungen für ihn der Kompass des Handels sind», sagt
Dröge vor Beginn einer Fraktionsklausur in Berlin. 

Darauf müssten die Europäische Union und die Bundesregierung jetzt
Antworten geben. «Unser Eindruck ist, dass insbesondere die CDU in
der Bundesregierung hier hart mit sich selbst ringt und auf der Suche
ist nach einem Kurs - und dass sie diesen Kurs aktuell nicht mehr
finden», kritisiert sie.

Flucht vor der Realität oder Diplomatie?

Bei den jüngsten Aussagen von Außenminister Johann Wadephul (CDU)
müsse man sich selbst unter Berücksichtigung diplomatischer
Gepflogenheiten fragen, «ob der deutsche Außenminister gerade
versucht, der Realität zu entfliehen», sagt die Co-Vorsitzende der
Bundestagsfraktion. Auch Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) sei
bemüht, die Situation zu beschönigen.

CSU-Landesgruppenchef: Grüne gefährden Arbeitsplätze

CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann wies die Kritik zurück. «Wer
die besonnene Realpolitik der Bundesregierung als Realitätsflucht
brandmarkt, der stellt Ideologie über Intelligenz», sagte der
Vorsitzende der CSU-Bundestagsabgeordneten. «Die Grünen würden Europa

am liebsten frontal in den nächsten Zollstreit steuern, der deutschen
Automobilindustrie damit massiven Schaden zufügen und zehntausende
Arbeitsplätze hierzulande gefährden.»

Außenminister äußert keinen Zweifel an Bündnistreue

Trump hat unter Verweis auf den Grönland-Konflikt weitere Zölle gegen
Deutschland und sieben weitere europäische Länder angedroht. Die
gestaffelten Zölle sollten so lange gelten, bis ein Abkommen über den
vollständigen Kauf der Arktisinsel erzielt werde, teilte Trump mit.

Wadephul hat am Sonntagabend in der ARD gesagt: «Es gibt überhaupt
keinen Zweifel, dass die Vereinigten Staaten von Amerika voll und
ganz zum Bündnis, zur Nato stehen und auch zur Verteidigung Europas.»
Auf eine Frage zu möglichen Gegenzöllen der EU für den Fall, dass
Trumps Sonderzölle wie angekündigt zum 1. Februar in Kraft treten,
sagte er: Wenn die USA weitere Maßnahmen ergriffen, «dann wird es
eine europäische Antwort geben müssen». 

Im Sommer hatten sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
und Trump darauf geeinigt, dass für die meisten EU-Importe in die USA
ein Basiszollsatz in Höhe von 15 Prozent gilt. Im Raum standen zuvor
noch deutlich höhere Abgaben. Dafür hat von der Leyen unter anderem
versprochen, dass die EU bis zum Ende von Trumps Amtszeit US-Energie
im Wert von 750 Milliarden Dollar kaufen will. 

Sich von fossiler Energie aus den USA abhängig zu machen, sei nicht
nur schlecht für das Klima, sondern auch außenpolitisch riskant und
sicherheitspolitisch gefährlich, warnte Dröge. Deshalb solle dieser
Teil der Vereinbarung rückabgewickelt werden.