US-Strafzoll-Pläne: EU warnt Trump vor Bürokratie-Wahnsinn

19.01.2026 14:59

Kann Donald Trump überhaupt gegen einzelne EU-Staaten Strafzölle
verhängen? Weil die EU als Binnenmarkt und Zollunion funktioniert,
ist das eine derzeit vieldiskutierte Frage. Jetzt antwortet Brüssel.

Brüssel (dpa) - Die von US-Präsident Donald Trump im
Grönland-Konflikt angekündigten Strafzoll-Pläne gegen Deutschland und

ausgewählte andere Staaten werden nach Einschätzung der EU nur sehr
schwer umzusetzen sein. Weil die EU als Binnenmarkt funktioniere,
müsse für dort hergestellte Waren nach EU-Vorschriften in der Regel
nur die EU als Ursprung angegeben werden, sagte ein Sprecher in
Brüssel. Dies hindere einen Drittstaat zwar nicht daran, zusätzliche
Informationen zum Herkunftsstaat zu verlangen. Viele Waren stammten
aber faktisch aus verschiedenen Teilen der EU, weil sie über
integrierte, grenzüberschreitende Lieferketten hergestellt würden, an
denen mehrere Mitgliedstaaten beteiligt sind.

EU-Kommission befürchtet Störungen im Warenhandel

«Das bedeutet, dass es aus Zollperspektive und aus operativer Sicht
praktisch sehr schwierig ist, Waren eindeutig ausschließlich einem
einzelnen Mitgliedstaat zuzuordnen». Technisch sei dies möglich, es
sei jedoch «enorm bürokratisch und verfahrensmäßig komplex, und es

würde zusätzliche Ebenen von Komplexität schaffen». Diese
potenziellen zusätzlichen Komplexitätsebenen würden den reibungslosen

transatlantischen Warenhandel behindern - insbesondere für
US-Importeure.

Trumps Zollpläne sehen vor, ab dem 1. Februar Strafzölle in Höhe von

zehn Prozent auf Importe aus Deutschland und sieben anderen
europäischen Staaten zu verhängen. Der US-Präsident will damit den
Widerstand gegen einen Verkauf der zu Dänemark gehörenden Insel
Grönland an die Vereinigten Staaten brechen. Die Regierung in
Kopenhagen schließt ein solches Geschäft bislang aus und wird dabei
aktiv von mehreren europäischen Staaten unterstützt. Die Zölle sollen

nun diejenigen treffen, die jüngst symbolisch Soldaten nach Grönland
entsendet hatten. Neben Dänemark und Deutschland waren das unter
anderem Frankreich, Großbritannien und die Niederlande.