Von der Leyen warnt Trump vor Abwärtsspirale

20.01.2026 12:53

Donald Trumps Vorgehen im Grönland-Konflikt sorgt in der EU für
Entsetzen. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos reagiert
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen.

Davos (dpa) - EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat
US-Präsident Donald Trump davor gewarnt, die transatlantischen
Beziehungen wegen Grönland in eine Abwärtsspirale zu stürzen. Die von

Trump angekündigten Zusatzzölle gegen europäische Allliierte seien
ein Fehler, sagte sie beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Die
Spannungen würden nur genau denjenigen Gegnern helfen, die man
möglichst von den strategischen Interessengebieten fernhalten wolle.
Die EU werde deswegen entschlossen, aber mit Augenmaß reagieren. 

Von der Leyen erinnerte dabei auch an das im vergangenen Juli
vereinbarte Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der
EU, das Zollobergrenzen vorsieht. «In der Politik wie in der
Wirtschaft gilt: Ein Deal ist ein Deal», ergänzte sie. «Wenn Freunde

sich die Hände schütteln, muss das etwas bedeuten.»

Initiative zur Arktis-Sicherheit

Mit Blick auf die Behauptungen von US-Präsident Trump, dass Europa
Grönland nicht ausreichend vor Russland und China schützen könne,
sagte von der Leyen, man werde mit den USA und allen Partnern an
einem umfassenderen arktischen Sicherheitskonzept arbeiten. Dies
liege eindeutig im gemeinsamen Interesse, und man werden dafür mehr
investieren. «Insbesondere glaube ich, dass wir unsere Mehrausgaben
im Verteidigungssektor für eine europäische Eisbrecher-Flotte und
andere für die Sicherheit der Arktis lebenswichtige Ausrüstung nutzen
sollten», sagte sie.

Zugleich betonte von der Leyen, dass zu einem EU-Paket zur
Unterstützung der arktischen Sicherheit auch der Grundsatz der vollen
Solidarität mit Grönland und dem Königreich Dänemark zähle. «Di
e
Souveränität und Integrität ihres Territoriums ist nicht
verhandelbar», sagte die Kommissionschefin. Die EU strebe auch einen
massiven europäischen Investitionsschub für Grönland an. Man werden
Hand in Hand mit Grönland und Dänemark daran arbeiten, die lokale
Wirtschaft und Infrastruktur noch intensiver zu unterstützen. Zudem
werde man prüfen, wie man Sicherheitspartnerschaften mit Ländern wie
Großbritannien, Kanada, Norwegen, Island und anderen stärken könne.

Von der Leyen arbeitet an Sicherheitsstrategie für die EU

Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen und Ereignisse sagte von der
Leyen ohne die Politik von Trump explizit zu nennen: «Geopolitische
Schocks können - und müssen - eine Chance für Europa sein. Meiner
Ansicht nach ist das Erdbeben, das wir gerade erleben, eine Chance,
ja, in der Tat eine Notwendigkeit, eine neue Form der europäischen
Unabhängigkeit aufzubauen.»

In diesem Zusammenhang verwies sie auch auf die laufenden Arbeiten an
einer europäischen Sicherheitsstrategie, die noch in diesem Jahr
veröffentlicht werden soll. «Ich glaube, dass Europa sich an die neue
Sicherheitsarchitektur und die neuen Realitäten anpassen muss, mit
denen wir jetzt konfrontiert sind», sagte sie. Zu der neuen
Sicherheitsstrategie werde auch eine aktualisierte Arktisstrategie
gehören.

Von der Leyen schloss mit der Mahnung, dass Europa seine
Unabhängigkeitsbestrebungen auf allen Ebenen beschleunigen müsse -
von der Sicherheit bis zur Wirtschaft, von der Verteidigung bis zur
Demokratie. «Denn die Welt hat sich dauerhaft verändert. Wir müssen
uns mit ihr ändern», sagte sie.