Tausende Bauern protestieren vor EU-Parlament gegen Mercosur-Deal

20.01.2026 20:19

Traktoren blockieren Straßen in Straßburg: Einen Tag vor einer
Abstimmung im Europaparlament zum Mercosur-Abkommen machen Landwirte
aus verschiedenen Ländern Europas ihrem Unmut Luft.

Straßburg (dpa) - Mehrere Tausend europäische Landwirte haben in
Straßburg gegen das EU-Freihandelsabkommen mit Staaten des
südamerikanischen Mercosur-Verbunds protestiert. Sie versammelten
sich hauptsächlich vor dem Gebäude des Europäischen Parlaments, wo in

dieser Woche eine Plenarsitzung stattfindet. Laut der örtlichen
Präfektur waren am Mittag etwa 5.600 Demonstrierende in der Stadt.
Zudem waren den vorläufigen Angaben nach knapp 700 Traktoren auf den
Straßen, laut Bauernverbänden an die 1.000. Neben französischen
Landwirten nahmen auch Landwirte aus anderen europäischen Ländern,
darunter Deutschland, an der Demonstration teil. 

Die Abgeordneten entscheiden am Mittwoch, ob sie ein Gutachten des
Europäischen Gerichtshofs einholen wollen zu der Frage, ob das
Mercosur-Abkommen mit EU-Recht vereinbar ist. Dies könnte den
Ratifizierungsprozess aufhalten.

Das Freihandelsabkommen war am Wochenende in Paraguay unterzeichnet
worden. Es muss noch vom Europäischen Parlament gebilligt werden. Mit
ihrem Protest wollen die Landwirte den Druck auf die
Entscheidungsträgerinnen und -träger aufrechterhalten. Sie fürchten
unverhältnismäßige Konkurrenz durch günstige Importe aus Südameri
ka.

Am Nachmittag kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die laut
einem dpa-Reporter Tränengas einsetzte. Die Protestierenden zündeten
Nebelkerzen und Feuerwerke, einige warfen Flaschen. Zeitweise
brannten Feuer. Die Teilnehmenden der Demonstration hielten Plakate
mit Aufforderungen an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
wie «Von der Leyen go home» hoch. Aufgrund der Versammlung war der
Verkehr in Straßburg stark beeinträchtigt und mehrere Straßen
blockiert. Die Landwirte wollen die Proteste am Mittwoch fortsetzen.

Mercosur (Gemeinsamer Markt des Südens) ist ein südamerikanischer
Staatenbund, zu dem Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay
gehören. Bolivien ist seit 2024 formell Mitglied, befindet sich
jedoch noch im Prozess der Umsetzung der Mercosur-Normen und ist
nicht Vertragspartei des Abkommens mit der EU.