Studie: Indische Elite sieht EU als Vorbild für Aufstieg ihres Landes

21.01.2026 08:16

Indiens Elite sieht in der EU einen Modernisierungspartner - doch
beim Thema Militär und Technologie bleibt Skepsis. Warum das geplante
Freihandelsabkommen als Schlüssel gilt.

Neu-Delhi (dpa) - Entscheidungsträger und Wirtschaftsführer in Indien
sehen die Europäische Union laut einer Studie als Vorbild für den
Aufstieg ihres Landes. Allerdings hinkt die EU aus ihrer Sicht trotz
der Wahrnehmung als wichtigen Partner wirtschaftlich und
technologisch den USA und China deutlich hinterher. Auch das Zutrauen
in die militärischen Fähigkeiten der Union ist vergleichsweise
gering.

Das geht aus einer Umfrage hervor, die die FDP-nahe
Friedrich-Naumann-Stiftung mit der indischen Kalinga Kusum Foundation
Ende 2025 durchgeführt hat und die nach ihren Angaben repräsentativ
für Meinungsführer ist. Befragt wurden demnach fast 1.400 führende
Repräsentanten der Politik und Wirtschaft, Verteidigungsexperten,
Akademiker sowie Vertreter von Think-Tanks - «jener urbanen und
gebildeten Elite, die Indiens außenpolitischen Kurs aktiv gestaltet
oder beeinflusst». Im Mittelpunkt standen Fragen zu den Ambitionen
und der Rolle Indiens in der Welt.

Geringes Wissen über Indien

Begründet wurde die Umfrage unter anderem damit, dass das Wissen in
Deutschland und Europa über das mit fast 1,5 Milliarden Einwohnern
bevölkerungsreichste Land der Erde trotz seiner wachsenden
wirtschaftlichen und weltpolitischen Bedeutung nach wie vor sehr
begrenzt sei.

Befragt nach dem wichtigsten Interesse Indiens, benannte der größte
Teil der Befragten die wirtschaftliche Entwicklung und die Bekämpfung
der Armut im Land. «Außenpolitik ist aus indischer Sicht in erster
Linie Wirtschaftspolitik», heißt es in der Studie. 

Die EU als Schlüsselpartner

Die EU spielt dabei eine wichtige Rolle. «74 Prozent sehen in ihr
eine Gemeinschaft, die Indiens Kernwerte von Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit teilt - ein Wert, der sogar noch über dem der USA
liegt.» Die Rolle der EU wird dabei vor allem als Wirtschaftsmotor
und Modernisierungspartner wahrgenommen. Das geplante bilaterale
Freihandelsabkommen gilt auch als strategische Antwort auf hohe
US-Zölle.

Allerdings stößt die Kritik aus Europa und den USA an den
Ölgeschäften Indiens mit Russland bei der Mehrheit auf Skepsis.
Indien bezieht einen Großteil seines Öls und Gases aus Russland, das
wiederum die Einnahmen in den Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt.

Zu Russland, zu dem Indien ebenso gute Kontakte wie zum Westen
pflegt, ergibt sich wie bei den USA ein ambivalentes Bild. Während 40
Prozent der Befragten keine Gemeinsamkeiten bei demokratischen Werten
und Rechtsstaatlichkeit sehen, hielten 82 Prozent Russland für einen
vertrauenswürdigen und zuverlässigen Partner - «ein Wert, von dem
westliche Partner Indiens weit entfernt sind».