Von der Leyen sieht EU und USA wegen Grönland am Scheideweg

21.01.2026 10:17

Der Grönland-Konflikt könnte nach Einschätzung der
EU-Kommissionspräsidentin zu einem Schlüsselmoment der
transatlantischen Beziehungen werden. Die Menschen schwört sie auf
schwierige Zeiten ein

Straßburg (dpa) - EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
sieht die transatlantischen Beziehungen wegen des Grönland-Konflikts
an einem kritischen Punkt. «Wir stehen an einem Scheideweg», sagte
von der Leyen im Europäischen Parlament in Straßburg. Europa
bevorzuge Dialog und Lösungen, aber sei uneingeschränkt bereit zu
handeln, sollte das nötig sein. «Geeint, schnell, entschlossen»,
betonte von der Leyen. 

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zusatzzölle gegen
europäische Alliierte seien schlichtweg falsch. Wenn man jetzt in
eine gefährliche Abwärtsspirale innerhalb des Bündnisses gerate,
würde dies eben jene Gegner ermutigen, die man so eindeutig aus der
strategischen Landschaft fernhalten wolle.

Zu Grönland sagte von der Leyen, die Insel sei nicht einfach nur ein
an kritischen Rohstoffen reiches Gebiet und ein strategischer
Außenposten an immer wichtiger werdenden globalen Seerouten. Es sei
vor allem die Heimat eines freien und souveränen Volkes. «Es ist eine
Nation mit eigener Souveränität und eigenem Recht auf territoriale
Integrität. Und über die Zukunft Grönlands entscheiden nur die
Grönländer», betonte sie mit Blick auf die Besitzansprüche der USA.
 

«Veränderung birgt viele Gefahren»

Von der Leyen schwor die Abgeordneten zudem auf schwere Zeiten ein.
«Dieser Moment der globalen Veränderung birgt viele Gefahren», sagte

sie. Europa müsse nun bereit sein, sich noch schneller zu verändern,
noch unabhängiger zu werden, um seine eigene Zukunft zu sichern. «Das
wird nicht leicht», fügte sie hinzu. Man werden schwierige
Entscheidungen treffen müssen und man werde alles Handeln im größeren

Zusammenhang sehen müssen. 

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten kommen an diesem
Donnerstagabend in Brüssel zu einem Sondergipfel zum
Grönland-Konflikt zusammen. Dabei soll über mögliche Antworten auf
die jüngsten Zolldrohungen Trumps diskutiert werden. Der US-Präsident
will damit den Widerstand gegen einen Verkauf der zu Dänemark
gehörenden Insel Grönland an die Vereinigten Staaten brechen. Die EU
erwägt für den Fall des Inkrafttretens der US-Zölle unter anderem
Gegenzölle.

Ratspräsident: Können Recht des Stärkeren nicht akzeptieren

Auch EU-Ratspräsident António Costa verwies vor dem Plenum auf
gewaltige geopolitische Herausforderungen. Er kritisierte, dass die
internationale regelbasierte Ordnung ausgehöhlt sowie zentrale
Allianzen infrage gestellt würden. «Doch die Europäische Union wird
aus all dem stärker, widerstandsfähiger und souveräner hervorgehen»
,
sagte er in Straßburg. «Wir können nicht akzeptieren, dass das Recht

des Stärkeren über die Rechte der Schwächsten gestellt wird.»
Allianzen dürften nicht auf eine bloße Abfolge von Transaktionen
reduziert werden. Die EU sei bereit, sich gegen jede Form von Zwang
zu verteidigen. Sie verfüge über die Instrumente. Mit den USA wolle
man einen konstruktiven Dialog fortsetzen.