Wie die EU-Kommission ein schnelleres Netz schaffen will Von Niklas Treppner, dpa

21.01.2026 13:16

Könnten Netflix, Disney & Co. teurer werden? Die EU-Kommission will
bessere Netze und mehr 5G. Verbraucherschützer warnen wegen eines
Vorschlags vor versteckten Kosten für Nutzerinnen und Nutzer.

Straßburg/Brüssel (dpa) - Mehr Glasfaser, mehr 5G, weniger
Bürokratie: Die EU-Kommission will Verbrauchern und der Industrie in
Deutschland und anderen Mitgliedsländern schnellere
Internetverbindungen ermöglichen. Dafür schlägt sie vor, den
Internetmarkt neu aufzustellen, das Ende von DSL endgültig
einzuläuten und sich für die Einführung von 6G zu wappnen. Wie soll
das funktionieren und warum äußern Verbraucherschützer Kritik? 

Wann will die EU-Kommission Glasfaser und Co. statt DSL haben? 

Da in die Jahre gekommene DSL-Verbindungen über dünne
Telefonleitungen aus Kupfer laufen, können sie mit zukunftsträchtiger
Glasfaser-Technologie nicht mithalten. Um also schnelleres und
stabileres Internet zu ermöglichen, soll der Übergang zu modernen
Netzen dem Vorschlag zufolge zwischen 2030 und 2035 in der gesamten
EU geschafft sein. Die Brüsseler Behörde bezieht dabei auch
Alternativen wie Internetverbindungen per Satellit mit ein.

Bis 2029 müssten die Mitgliedstaaten dafür verbindliche Pläne
vorlegen. Die EU-Kommission betonte, dass die Verbraucher durch die
DSL-Abschaltungen keine Nachteile erfahren sollen und sich auf eine
durchgehende Versorgung mit Internet verlassen können sollten. Der
Ausbau von Glasfaser-Internet kam in Deutschland laut Bundesverband
Breitbandkommunikation (Breko) zuletzt schneller voran als von der
Regierung geplant. Mitte 2025 hatten etwas mehr als die Hälfte der
Wohnungen, Firmen und Behörden Glasfaser. Bis 2030 prognostiziert die
Marktanalyse demnach einen Anteil von 82 bis 92 Prozent.

Wie will die EU-Kommission bei der 5G-Abdeckung aufholen? 

Europa hinkte bei der Einführung von 5G seinen internationalen
Konkurrenten hinterher, wie die EU-Kommission selbst einräumte. Das
soll besonders bei der nächsten Generation des Mobilfunkstandards
(6G) nicht wieder passieren. Deswegen soll besonders die Vergabe von
Frequenzen an Telekommunikationsanbieter vereinheitlicht werden. Die
EU will zudem, dass die Mobilfunkfrequenzen unbefristet vergeben
werden, um den Netzbetreibern beim 5G-Ausbau mehr Planungssicherheit
zu geben. 

Telekommunikationsanbieter sollen nach dem Vorschlag zudem mit der
Genehmigung von einer nationalen Regulierungsbehörde, wie etwa der
Bundesnetzagentur, in allen EU-Staaten tätig sein können. Die
Brüsseler Behörde erhofft sich davon eine Stärkung des europäischen

Binnenmarkts. 

Wie funktioniert der Internetmarkt in Europa bisher? 

Der sogenannte Zusammenschaltungsmarkt im Internet in Europa ist ein
komplexes System. Verschiedene Netzwerkbetreiber wie etwa die Telekom
oder Vodafone in Deutschland, Orange in Frankreich oder Telefónica in
Spanien verbinden ihre Infrastrukturen miteinander, um den globalen
Datenaustausch zu ermöglichen. Kleinere Internetanbieter, aber auch
Streamingdienste, Firmen oder Universitäten verbinden sich ebenfalls
auf diese Weise mit dem Netz, was sich so über die ganze Welt spannt.
Bisher erfolgt das in Europa in der Regel kostenfrei oder nahezu
kostenfrei. 

Große Anbieter von Telekommunikationsinfrastruktur wie die Telekom
dringen aber schon lange darauf, Gebühren für die Nutzung ihrer Netze
erheben zu dürfen. Also etwa von Netflix, YouTube oder anderen
Internetriesen Geld verlangen zu können, weil deren Daten einen
Großteil des Datenverkehrs ausmachen. Die Argumentation der
Netzbetreiber: 5G-Antennen und andere Infrastruktur zu installieren,
verursache immense Kosten, an denen sich die Nutznießer bisher nicht
beteiligten. 

Was will die EU-Kommission daran ändern? 

Die EU-Kommission plant mit dem Gesetz über digitale Netze eine
Neuausrichtung des Zusammenschaltungsmarktes, lehnt jedoch die von
Netzbetreibern geforderten verpflichtenden Gebühren ab. Sie hatte
sich in dem nun wohl auf Eis liegenden US-Zoll-Deal (Artikel 17)
bereits festgelegt, auf solche Gebühren zu verzichten. 

Allerdings will sie laut Vorschlag einen Schlichtungsmechanismus
einführen, wenn sich in Verhandlungen zwischen Netzbetreibern,
Cloud-Anbietern und Inhaltsanbietern keine Lösung ergibt. Behörden
könnten den Netzbetreibern aufgrund ihrer Marktposition dann im
Schlichtungsprozess Gebühren zugestehen und diese damit auf dem
Internetmarkt etablieren, befürchten Kritiker. 

Könnten Streamingdienste und Co. deshalb teurer werden? 

Das befürchten etwa Verbraucherschützer. Der Verbraucherzentrale
Bundesverband (VZBV) erklärte schon vorab, dass ein solcher
Schlichtungsmechanismus nicht nötig sei. Der Mechanismus würde auf
einem bisher funktionierenden Markt eher neue Probleme schaffen, als
sie zu lösen, sagte Verbraucherschützerin Nikola Schiefke. Der VZBV
befürchtet, dass dabei Kosten entstehen könnten, die letztendlich zu
höheren Preisen für die Nutzerinnen und Nutzer führen würden. 

Was sagt die Industrie? 

Der deutsche Digitalverband Bitkom bewertete den Ansatz aus Brüssel
zunächst positiv. Präsident Ralf Wintergerst lobte, dass die
EU-Kommission mit den Vorschlägen einen echten europäischen
Binnenmarkt für Telekommunikation schaffen wolle. «Dabei wünschen wir

uns aber einen deutlicheren Bürokratieabbau und schlankere
Berichtspflichten, um für mehr Investitionen zu sorgen und den
Netzausbau wirksam zu beschleunigen», fügte Wintergerst hinzu.

Mitspracherecht haben nun besonders die EU-Staaten und das
Europäische Parlament. Bevor die Verordnung in Kraft treten kann,
müssen sich beide damit befassen. Sie können dabei auch
Änderungsvorschläge machen. Worauf sich die Institutionen einigen,
ist offen.