Sondergipfel in Brüssel: EU berät über Trumps Grönland-Kurs

21.01.2026 18:33

Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Kollegen beraten in Brüssel
über eine Antwort auf Trumps angekündigte Strafzölle im
Grönland-Konflikt. Kann eine weitere Eskalation noch abgewendet
werden?

Brüssel (dpa) - Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten
beraten an diesem Donnerstag (19.00 Uhr) bei einem Sondergipfel über
das weitere Vorgehen im Grönland-Konflikt mit den USA. Konkret soll
es bei dem Treffen in Brüssel um die Frage gehen, wie die EU auf die
jüngsten Erpressungsversuche von Präsident Donald Trump reagieren
kann. Dieser will nicht akzeptieren, dass Dänemark einen Verkauf
Grönlands an die USA ablehnt und hatte deswegen am vergangenen
Wochenende Strafzölle auf Waren aus Dänemark und alliierten Ländern
wie Deutschland angekündigt.

Die Zusatzabgaben werden sich nach Angaben Trumps zunächst auf 10
Prozent belaufen und ab dem 1. Februar fällig. Für den Fall, dass es
bis Ende Mai keinen Verkaufsdeal gibt, soll der Zollsatz dann ab dem
1. Juni auf sogar 25 Prozent steigen.

Sollte Trump seine Ankündigungen umsetzen, könnte die EU
möglicherweise bereits ab dem 7. Februar Sonderzölle auf
US-Warenexporte im Wert von 93 Milliarden Euro erheben und zudem ihr
neues Instrument gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen aktivieren.
Letzteres könnte es auch ermöglichen, US-Unternehmen von der Vergabe
öffentlicher Aufträge auszuschließen oder Digitalformen wie Apple,
Microsoft, Google, Meta mit Zusatzabgaben zu belegen.

Europäisches Parlament hat bereits reagiert

Vom Europäischen Parlament wurden bereits jetzt Arbeiten an der
Umsetzung von Versprechen auf Eis gelegt, die Trump im vergangenen
Jahr im Zuge des damaligen Zollkonflikts gemacht worden waren. Sie
sollten eigentlich dazu führen, dass Industriegüter aus den USA
künftig zollfrei in die EU eingeführt werden können. Zudem sollten
sie einen verbesserten EU-Marktzugang von bestimmten Meeresfrüchten
und Agrarprodukten aus den USA ermöglichen.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zuletzt deutlich gemacht, dass er
eine Eskalation in dem Grönland-Konflikt möglichst vermeiden will.
Der CDU-Politiker wird direkt vom Weltwirtschaftsforum in Davos zu
dem EU-Sondergipfel nach Brüssel reisen.