Klingbeil: Druck der Europäer hat Trump zum Rückzug gebracht

23.01.2026 07:42

Ist die jüngste Entschärfung des Grönland-Konflikts mit der
US-Regierung ein Erfolg für Europa? Vizekanzler Lars Klingbeil sieht
es so - warnt aber davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen.

Berlin (dpa) - Vizekanzler Lars Klingbeil führt die vorläufige
Entschärfung des Grönland-Konflikts mit der US-Regierung auch darauf
zurück, dass die Europäer nicht unter dem Druck von Präsident Donald

Trump eingeknickt seien. «Der Druck, der in den USA entstanden ist
und der Druck, der von Europa kam, das alles hat dazu geführt, dass
Präsident Trump jetzt auch ein bisschen den Rückzug begonnen hat»,
sagte der SPD-Vorsitzende im «Berlin Playbook Podcast» des
Nachrichtenmagazins «Politico». Andere Stimmen hingegen sprechen von
einem Patt oder sehen Trump gar als Sieger des Konflikts, da er mit
seinem radikalen Kurs schon jetzt Zugeständnisse an die USA erzwungen
habe, die vorher undenkbar gewesen wären.

Zugleich warnte Klingbeil davor, zu früh aufzuatmen. «Wer jetzt meint
in Europa, dass man sich zufrieden zurücklehnt und sagt, es ist ja
alles noch einmal gut gegangen, der hat nicht verstanden, worum es
gerade geht», sagte der Finanzminister. Die Europäer müssten das -
vor Trumps Amtsantritt traditionell enge - Verhältnis zu den USA
schützen und dabei zweigleisig fahren, mahnte er. «Das eine ist, wir
müssen die Hand jederzeit ausgestreckt halten. Und wir dürfen von
unserer Seite das transatlantische Verhältnis nie kaputt machen,
nicht gefährden.»

Sechsergruppe um Deutschland soll EU anführen

Darüber hinaus forderte Klingbeil mehr Geschlossenheit und Tempo bei
Reformen auf EU-Ebene. Um sich enger mit seinen Kollegen aus
führenden Ländern abzustimmen, habe er die Finanzminister aus
Spanien, Frankreich, den Niederlanden, Italien und Polen zu einer
Videokonferenz in der kommenden Woche eingeladen. «Wir sechs müssen
jetzt vorangehen», sagte er. Ziel sei es, bei Wettbewerbsfähigkeit,
Rohstoffen, Verteidigungsfinanzierung und der Bevorzugung
europäischer Anbieter in öffentlichen Vergabeverfahren schneller
voranzukommen.