Berlin und Rom vertiefen Zusammenarbeit Von Michael Fischer, Christoph Sator und Robert Messer, dpa

23.01.2026 14:54

Rüstung, Wettbewerbsfähigkeit, Migration: Merz und Meloni treiben
ihre Kooperation weiter voran - auch wenn der Ort ihres Treffens
anders klingt. Wird Italien für Deutschland das neue Frankreich?

Rom (dpa) - Deutschland und Italien wollen ihre Zusammenarbeit in den
Bereichen Verteidigung und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit
deutlich ausbauen. Bei einem Treffen beider Regierungen in Rom unter
Leitung von Bundeskanzler Friedrich Merz und Ministerpräsidentin
Giorgia Meloni wurden dazu insgesamt acht Vereinbarungen
unterzeichnet. Unter anderem sollen neue Rüstungsprojekte und
gemeinsame Übungen der Streitkräfte angestoßen werden. 

Der Ausbau der Beziehungen fällt in eine Zeit, in der es zwischen
Deutschland und Frankreich nicht so gut läuft - gerade im
Rüstungsbereich. Das von Berlin, Paris und Madrid geplante
Luftkampfsystem FCAS steht auf der Kippe. In der Handelspolitik hatte
sich Frankreich beim Abschluss eines EU-Freihandelsabkommens mit
Lateinamerika quer gestellt. Dann machte Italien nach einigem Zögern
den Weg frei, wofür sich Merz ausdrücklich bedankte.

Treffen im «Vestibül der schwierigen Lieben»

Das Treffen findet in der Villa Pamphilj statt, wo Italien wichtige
Staatsgäste empfängt. Vor den Regierungskonsultationen trafen sich
Merz und Meloni unter vier Augen im «Vestibolo degli amori
difficili», dem «Vestibül der schwierigen Lieben». Das Verhältnis

zwischen dem CDU-Kanzler und der Regierungschefin von der
Rechtspartei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) ist jedoch alles
andere als belastet. Im Gegenteil: Die beiden haben ihre
Zusammenarbeit im ersten Dreivierteljahr immer weiter ausgebaut. 

Deutschland und Italien wollen nun unter anderem gemeinsame Projekte
bei der Produktion von Drohnen, bei Flug- und Raketenabwehr,
Marineschiffen und Unterwassersystemen sowie bei elektronischer
Kampfführung und Luftkampfsystemen prüfen. Außerdem wurde eine neue
Fassung eines 2023 vereinbarten geplanten Aktionsplans unterzeichnet.
Dies umfasst eine Zusammenarbeit in den Bereichen innere Sicherheit
und Migration bis hin zum kulturellen Erbe. 

Deutsch-italienische Vorschläge für den EU-Gipfel

Mit Blick auf einen EU-Sondergipfel zur wirtschaftlichen
Wettbewerbsfähigkeit am 12. Februar hatten Deutschland und Italien
bereits zuvor die Initiative ergriffen und Vorschläge zur Vertiefung
des EU-Binnenmarkts mit seinen rund 450 Millionen Verbrauchern
erarbeitet. Dazu gehört eine Verkürzung von Genehmigungsverfahren und
die Streichung von Rechtsvorschriften. Früher gingen solche
Initiativen häufig von Deutschland und Frankreich als «Motor» der EU

aus.

Merz und Meloni gelten als Trump-Versteher 

Merz und Meloni hatten bereits den Donnerstagabend beim EU-Gipfel in
Brüssel miteinander verbracht, bei dem nach der vorübergehenden
Eskalation des Grönland-Konflikts wichtigstes Thema war, wie es in
den Beziehungen zu den USA weitergehen soll. Die beiden gehören zu
den europäischen Regierungschefs mit dem besten Draht zu US-Präsident
Donald Trump. 

Schon die Ampel-Koalition unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte
bei Regierungskonsultationen im November 2023 einen Aktionsplan für
eine vertiefte Zusammenarbeit mit Italien vereinbart. Merz versprach
bei seinem Antrittsbesuch in Rom im Mai, diesen «auf ein neues
Ambitionsniveau» zu heben. 

Zwischen Rom und Berlin gibt es regelmäßig Regierungskonsultationen -
wie mit anderen wichtigen Partnerländern auch. Beteiligt waren
diesmal insgesamt fast zwei Dutzend Minister. 

Meloni seit mehr als drei Jahren an der Regierung

Meloni steht seit Oktober 2022 an der Spitze einer Koalition aus drei
rechten und konservativen Parteien. Inzwischen hält sich ihre
Regierung so lange wie kaum eine andere Regierung im Italien der
Nachkriegszeit. Die nächste reguläre Parlamentswahl findet im
kommenden Jahr statt. In allen Umfragen liegt Meloni mit ihrer Partei
vorn.