Altkanzler Schröder gegen «Dämonisierung» Russlands
24.01.2026 06:39
SPD-Urgestein Gerhard Schröder steht wegen seiner Tätigkeiten für
russische Öl- und Gaskonzerne seit Jahren in der Kritik. Nun plädiert
er für die Wiederaufnahme von Energielieferungen aus dem Land.
Berlin (dpa) - Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder nennt den
russischen Angriffskrieg in der Ukraine zwar völkerrechtswidrig,
warnt aber vor einer «Dämonisierung» Russlands. «Natürlich ist de
r
Krieg in der Ukraine nicht zu respektieren, auch nicht zu
relativieren. Er ist völkerrechtswidrig, eine Verletzung der
Menschenrechte», schreibt der 81 Jahre alte Altkanzler in einem
Gastbeitrag für die «Berliner Zeitung». Es müssten alle
diplomatischen Mittel genutzt werden, um den Krieg zu stoppen.
«Ich bin aber auch gegen die Dämonisierung Russlands als ewiger
Feind», schob der SPD-Politiker nach, der seit Jahren wegen seiner
langjährigen Freundschaft zum russischen Präsidenten Wladimir Putin
und Tätigkeiten für russische Öl- und Gaskonzerne in der Kritik
steht. «Russland, das ist nicht das Land der Barbaren, sondern ein
Land mit einer großen Kultur und vielfältigen historischen
Verbindungen zu Deutschland», schreibt Schröder in dem Gastbeitrag.
Es bleibe die «deutsche Schande», dass dieses Land in zwei
Weltkriegen von deutschen Soldaten brutal überfallen wurde.
Heute sei viel von militärischen «Fähigkeiten» die Rede, doch
Deutschland und Europa bräuchten in erster Linie «Friedensfähigkeit
»,
meint Schröder. Deshalb halte er es weiterhin für richtig, was er in
seiner Zeit als Bundeskanzler vorangetrieben habe: den sicheren und
verlässlichen Import preiswerter Energie aus Russland. «Wir brauchen
derartige Formen der Kooperation mit Russland.»
Schröder warnte auch vor einem Machtverlust der EU, die mit ihrem
derzeitigen Kurs international an Bedeutung verliere - unter anderem,
weil Washington und Moskau über den Kopf der EU hinweg über die
Zukunft der Ukraine verhandelten, «aber wir die Kosten des Krieges
bezahlen sollen». Die Politik von US-Präsident Donald Trump habe
fatale Folgen für Europa. Trump versuche nicht nur, sich Grönland
einzuverleiben, sondern die EU in neue Abhängigkeit von den USA zu
bringen. «Die Welt wird neu geordnet, aber die EU reagiert nur, weil
sie selbst nach dem gefeierten Freihandelsabkommen mit dem
südamerikanischen Mercosur keine strategische Größe mehr zu sein
scheint.»
