Estlands Außenminister kritisiert Schröder-Äußerungen

25.01.2026 17:28

Altkanzler Gerhard Schröder hat sich mit Vorschlägen zum Umgang mit
Russland zu Wort gemeldet und ist gegen dessen «Dämonisierung». In
Estland kommen seine Aussagen gar nicht gut an.

Tallinn (dpa) - Estlands Außenminister Margus Tsahkna hat die
jüngsten Äußerungen von Altkanzler Gerhard Schröder und Warnungen v
or
einer «Dämonisierung» Russlands scharf kritisiert. Aufrufe, ein Land,

das den brutalsten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg führt,
nicht zu dämonisieren, seien «schlichtweg entsetzlich»,
schrieb Tsahkna auf der Plattform X. Gleiches gelte für die
Andeutungen auf eine erneute Zusammenarbeit im Energiebereich mit
Russland. 

Schröder hatte zuvor Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine in einem
Gastbeitrag für die «Berliner Zeitung» als völkerrechtswidrig
bezeichnet, aber zugleich nachgeschoben: «Ich bin aber auch gegen die
Dämonisierung Russlands als ewiger Feind». Auch plädierte der
SPD-Politiker, der seit Jahren wegen seiner langjährigen Freundschaft
zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und Tätigkeiten für
russische Öl- und Gaskonzerne in der Kritik steht, für die
Wiederaufnahme von Energielieferungen aus dem Land.

Tshakna: «Wandel durch Handel ist gescheitert»

In einer weiteren Mitteilung seines Ministeriums bezeichnete Tshakna
die Äußerungen des Altkanzlers als «heimtückischen Versuch», Euro
pa
zu spalten. Damit solle es vom aktuellen Kurs des Drucks auf Russland
abgebracht und zu alten Fehlern zurückgeführt werden. «Russlands
umfassende Aggression gegen die Ukraine ist die direkte Folge
jahrelanger Beschwichtigungspolitik und jahrzehntelanger Überzeugung,
Handel könne Aggressionen eindämmen», schrieb der estnische
Außenminister. «Wandel durch Handel ist gescheitert». Es gebe kein

Zurück.

Estland grenzt im Osten an Russland. Das baltische EU- und Nato-Land
ist ein enger Partner und Unterstützer der Ukraine, die sich seit
fast vier Jahren gegen eine russische Invasion wehrt.