EU beschließt endgültig Verzicht auf Russland-Gas

26.01.2026 10:48

Bis zu Moskaus Angriff auf die Ukraine stützen viele EU-Länder ihre
Energieversorgung auf günstige Brennstoffe aus Russland. Das hatte
gravierende Folgen - und soll nun endgültig vorbei sein.

Brüssel (dpa) - Die EU-Staaten haben den vollständigen Importstopp
von Gas aus Russland bis spätestens Ende 2027 endgültig beschlossen.
Demnach soll die Einfuhr von russischem Gas über Pipelines
schrittweise und ab spätestens 1. November 2027 komplett eingestellt
werden, inklusive langfristiger Verträge. 

24 der 27 EU-Staaten stimmten in Brüssel für eine entsprechende
Verordnung, somit wurde die notwendige Mehrheit erreicht.
Unterhändler der Mitgliedsstaaten und des Europaparlaments hatten im
Dezember die Verordnung ausgehandelt, die nun final bestätigt wurde.
Die Abgeordneten des EU-Parlaments gaben bereits grünes Licht. 

Einer Analyse der EU-Kommission zufolge bedeutet der Komplettverzicht
auf russisches Gas kein Risiko für die Versorgungssicherheit. Auf dem
Weltmarkt gebe es genügend andere Anbieter, hieß es im vergangenen
Jahr aus Brüssel. Verbraucher müssten sich demnach keine großen
Sorgen über steigende Gaspreise machen. Die Kommission hatte den nun
beschlossenen Einfuhrstopp vorgeschlagen. 

Neue Verordnung trotz beschlossener Gas-Sanktionen 

Hintergrund für das Einfuhrverbot ist der russische Angriffskrieg
gegen die Ukraine. Bis zu Beginn der Invasion 2022 wurde die
Energieversorgung in Deutschland und vielen anderen EU-Staaten zum
großen Teil mit Hilfe von günstigem Öl und Gas aus Russland
sichergestellt. Die Umstellung kostet Zeit - vor allem, weil allzu
große Auswirkungen auf die Verbraucherpreise für Energie vermieden
werden sollen. Infolge des Angriffskriegs erließ die EU bereits
weitgehende Einfuhrverbote für russische Energieträger wie Kohle und
Öl. 

Noch kommt Moskaus Gas in die EU, aber ab 2027 gilt ein vollständiges
Importverbot für Flüssigerdgas (LNG) aus Russland. Die Strafmaßnahme

ist Teil eines im Oktober beschlossenen Sanktionspakets gegen Moskau.
Die jetzt beschlossene Verordnung soll neben einem Importverbot auch
für Pipeline-Gas aus Russland ebenso rechtliche Sicherheit schaffen:
Während die Sanktionen gegen Moskau alle sechs Monate verlängert
werden müssen und Einstimmigkeit unter den Mitgliedstaaten erfordern,
gelten die nun vorgesehenen rechtlichen Änderungen dauerhaft. 

Russland macht Milliardengewinne mit Energielieferungen 

So soll sichergestellt werden, dass sich die EU-Staaten langfristig
unabhängig von Energieimporten aus Russland und damit weniger
erpressbar machen. Zudem soll es der vollständige Importstopp der
Rohstoffgroßmacht Russland erschweren, ihren Angriffskrieg gegen die
Ukraine weiter zu finanzieren. 

Auch nach knapp vier Jahren Krieg erwirtschaftet Russland mit
Energielieferungen in die EU weiterhin Milliardengewinne. Im ersten
Halbjahr 2025 importierte die EU nach Daten der EU-Statistikbehörde
Eurostat Flüssigerdgas im Wert von fast 4,5 Milliarden Euro aus
Russland. 2024 war demnach natürliches und verarbeitetes Gas im Wert
von 15,6 Milliarden Euro von dort importiert worden. Zum Vergleich:
Aus den USA kam Gas im Wert von 19,1 Milliarden Euro. 

Sicherheitsklausel verankert 

Allerdings enthält die Verordnung eine Art Sicherheitsklausel, falls
die Versorgungssicherheit eines oder mehrerer Mitgliedstaaten
ernsthaft gefährdet sein sollte. Unter diesen Umständen könnte die
EU-Kommission den betroffenen EU-Ländern erlauben, Einfuhrverbote für
Gas auszusetzen. Nur wenn ein Mitgliedstaat den Notstand ausruft,
sind dann zeitlich begrenzte Lieferungen erlaubt.