EZB: Verzögerungen beim digitalen Euro erhöhen Abhängigkeit

26.01.2026 10:44

Der digitale Zahlungsverkehr in Europa ist von US-Anbietern
dominiert. Was passiert, wenn diese «den Stecker ziehen»? Der
digitale Euro ist aus Sicht der EZB mehr als eine Alternative zum
Bargeld.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt
angesichts der weltpolitischen Lage vor Verzögerungen beim Projekt
digitaler Euro. «Heute besitzen US-Konzerne kritische Teile der
Infrastruktur - sie können uns theoretisch den Stecker ziehen», sagte
EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone der «Süddeutschen Zeitung».


Die EZB peilt eine Einführung der Alternative zum Bargeld 2029 an.
Dafür muss allerdings der Rechtsrahmen für den digitalen Euro stehen.
Ein Gesetzentwurf der EU-Kommission wird noch im Europäischen
Parlament verhandelt. «Wenn die Gesetze heute stünden, würden Händl
er
und IT-Dienstleister sofort mit der Umsetzung beginnen», sagte
Cipollone. «Aber jede Verzögerung erhöht unsere Abhängigkeit von
ausländischen Zahlungssystemen.»

Seit Jahren tüfteln die Euro-Währungshüter an einer digitalen
Variante der europäischen Gemeinschaftswährung. Mit einem digitalen
Euro wollen die Euro-Notenbanken privaten Anbietern vor allem aus den
USA wie Paypal, Mastercard und Visa, die derzeit den Markt für
digitale Zahlungen in Europa dominieren, ein europäisches Angebot
entgegensetzen.

Mit dem digitalen Euro werde ein europäischer Standard geschaffen, so
dass Europa im Fall des Ausfalls eines Anbieters noch genug
Alternativen für digitale Zahlungen hätte, sagte Cipollone. «Dank der

gemeinsamen Infrastruktur könnten Anbieter wie der neue Bezahldienst
Wero, eine Initiative mehrerer europäischer Banken, überall in Europa
tätig sein.» Cipollone betonte: «Niemand wird gezwungen, den
digitalen Euro zu nutzen. Man kann auch in Zukunft bar oder mit einem
anderen Zahlungsmittel bezahlen.»