Bauernpräsident gegen EU-Wiederherstellungsverordnung

26.01.2026 14:05

Bauernpräsident Lucht lehnt die Abgabe weiterer Acker- und
Grünlandflächen für den Naturschutz ab. Er sieht die
Ernährungssicherheit in Gefahr.

Neumünster (dpa/lno) - Der schleswig-holsteinische Bauernpräsident
Klaus-Peter Lucht hat vor Folgen der EU-Wiederherstellungsverordnung
gewarnt. Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) möchte nach Luchts
Worten 4.600 Hektar weiteres Land für Naturschutzgebiete. «Mit mir
gibt es nicht einen Hektar Ackerland oder Grünland, das wir bereit
sind herzugeben», sagte er unter dem Beifall der rund 1000 Teilnehmer
des Landwirtschaftstags der Volksbanken Raiffeisenbanken in
Neumünster.

Lucht warf dem Umweltministerium vor, in vorauseilendem Gehorsam zu
handeln. Ziel der Wiederherstellungsverordnung ist es, Ökosysteme in
ihrem natürlichen Zustand zurückzuversetzen.

Lucht befürchtet soziale Unruhen bei Lebensmittelmangel

Wegen des Klimawandels müssten die Länder in Nordeuropa bereit und in
der Lage sein, künftig bei der Ernährung der Welt mitzuhelfen. «Immer

wieder an die Flächen ranzugehen, - Naturwiederherstellungsgesetz
oder anderes - können wir uns nicht mehr leisten.» Man wisse, wie
brüchig Lieferketten seien, das habe die Coronazeit gezeigt. «Wir
leben im Krieg, fertig. Und wir wissen nicht, wo wir unsere
Lebensmittel herkriegen sollen. Wenn wir es nicht schaffen, unsere
Bevölkerung in Europa vernünftig zu ernähren, dann wird es auch zu
sozialen Unruhen kommen.»

Seit 2019 sei in der EU nicht ein neues Pflanzenschutzmittel
zugelassen worden, kritisierte Lucht. In England seien es in dieser
Zeit vier gewesen. «Mir geht das so ein bisschen auf den Keks, dass
alle sagen, wir machen was, dann macht doch endlich mal was auf
Bundesebene und auch auf europäischer Ebene.» Es gehe viel zu
langsam. «Wir verschieben, wir verschieben, wir verschieben.» Ein
Beispiel dafür sei die Entwaldungsverordnung. «Politik muss endlich
lernen zu entscheiden», forderte der Bauernpräsident.

Auch Agrarministerin Schmachtenberg kritisiert EU-Politik 

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg
(CDU) stimmte Lucht teilweise zu. Ernährungssicherheit sei ein
Riesenthema. Beim Wiederherstellungsgesetzes sehe sie nicht mehr
viele Möglichkeiten. Das Ministerium arbeite an der Umsetzung. «Weil
wir dazu verpflichtet sind.»

Schmachtenberg kritisierte die geänderte Agrarpolitik der EU, die den
Mitgliedsstaaten mehr Freiräume für eigene Schwerpunkte gebe. «Das
ist nicht der richtige Weg.» Ein Kern der EU ist aus ihrer Sicht eine
gemeinsame Agrarpolitik. Wenn man in einem so großen Binnenmarkt
gleiche Wettbewerbsbedingen haben möchte, müsse es auch eine gleiche
Agrarpolitik geben.