Unesco: Antisemitismus an EU-Schulen weit verbreitet
27.01.2026 13:05
Eine Unesco-Umfrage zeigt: Antisemitische Vorfälle und
Holocaustleugnung sind laut Lehrkräften an EU-Schulen weit
verbreitet. Was die Studie noch offenbart.
Paris (dpa) - Mehr als drei Viertel der Lehrerinnen und Lehrer in der
Europäischen Union (EU) sind nach einer Umfrage der
UN-Kulturorganisation Unesco mit antisemitischen Vorfällen in ihrem
Unterricht konfrontiert. Die anlässlich des internationalen
Holocaust-Gedenktags veröffentlichte Untersuchung zeige auch ein
alarmierendes Ausmaß an Holocaustleugnung und körperlicher Gewalt
gegen jüdische Schüler, teilte die Unesco in Paris mit. Über 2.000
Lehrkräfte aus 23 EU-Ländern wurden zu ihren Erfahrungen mit
Antisemitismus im Unterricht befragt, darunter auch in Deutschland.
Nach den Unesco-Daten waren 78 Prozent der befragten Lehrkräfte mit
mindestens einem antisemitischen Vorfall unter Schülern konfrontiert,
während 27 Prozent Zeugen von neun oder mehr Vorfällen waren. 61
Prozent gaben an, dass sie mit Fällen von Leugnung oder Verfälschung
des Holocaust unter Schülern konfrontiert waren, elf Prozent sogar
häufig. Jeder zehnte Lehrer gab an, mindestens einen körperlichen
Angriff auf jüdische Schüler beobachtet zu haben, während 44 Prozent
Schüler gesehen hat, die Nazi-Gesten machten oder Nazi-Symbole
zeichneten oder trugen. 42 Prozent der Befragten beobachteten
Antisemitismus seitens anderer Lehrer.
Schulungsprogramm gegen Antisemitismus
«Hassreden, insbesondere Antisemitismus und Holocaustleugnung, haben
seit dem Zweiten Weltkrieg ein beispielloses Ausmaß erreicht», sagte
Unesco-Generaldirektor Khaled El-Enany. Den meisten Lehrkräften fehle
eine spezielle Ausbildung, um mit diesen Phänomenen umzugehen.
Deshalb habe die Unesco ein Schulungsprogramm zur Bekämpfung von
Antisemitismus ins Leben gerufen. Seit 2023 habe die Unesco mehr als
1.300 Pädagogen und politische Entscheidungsträger in ganz Europa im
Kampf gegen Antisemitismus geschult.
