Kühler Konter: Spöttelnder Nato-Chef lässt EU-Kommission kalt
27.01.2026 14:38
«Träumt weiter!» - Mit Spott attackiert Mark Rutte die Idee eines
auch bei der Verteidigung unabhängigen Europas. Die Replik von
EU-Seite ist deutlich.
Brüssel (dpa) - Kann sich Europa in Verteidigungsfragen aus der
Abhängigkeit von den USA lösen? Die EU-Kommission von Ursula von der
Leyen hat nach spöttischen Kommentaren von Nato-Generalsekretär Mark
Rutte klargestellt, dass sie an ihrer Politik für mehr
Eigenständigkeit festhalten will. «Wir sind entschlossen, dafür zu
sorgen, dass wir zunehmend widerstandsfähiger und unabhängiger
werden», sagte eine Sprecherin in Brüssel. Man arbeite daran, die
Abhängigkeit und die Verwundbarkeit zu verringern.
Rutte hatte zuvor vor Mitgliedern der Ausschüsse für Außen- und
Verteidigungspolitik des Europaparlaments mit spöttischem Unterton
deutlich gemacht, dass er eine weitgehende Abnabelung von den USA
nicht für richtig halte. Der Niederländer sagte: «Wenn hier jemand
glaubt, die Europäische Union - oder Europa insgesamt - kann sich
ohne die USA verteidigen: Träumt weiter! (...) Das können wir nicht.»
Als Grund nannte Rutte insbesondere die Kosten für den Aufbau eines
nuklearen Schutzschirms, der dem der USA entspricht. Diejenigen, die
dafür werben, sollten es vergessen, sagte er. Dafür müssten die
Europäer nicht fünf, sondern sogar zehn Prozent ihres
Bruttoinlandsproduktes in Verteidigung investieren.
Rutte warnte, der nukleare Schutzschirm der USA sei letztlich der
Garant der Freiheit. «Viel Glück» wünschte er ironisch denjenigen,
die diesen verlieren wollten. Zugleich wies Rutte darauf hin, dass
aus seiner Sicht auch die USA die Europäer brauchten. Die Vereinigten
Staaten seien auch in der Nato, um selbst sicher zu sein. Dazu
gehörten ein sicherer euro-atlantischer Raum, eine sichere
Arktisregion und ein sicheres Europa.
