Selenskyj besteht auf EU-Beitritt für Ukraine schon 2027
27.01.2026 16:50
Der ukrainische Präsident Selenskyj wirbt beim österreichischen
Kanzler Stocker für einen raschen EU-Beitritt der Ukraine. Die
Mitgliedschaft sieht er als Sicherheitsgarantie für sein Land.
Kiew (dpa) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat
ungeachtet der teils verbreiteten Skepsis in europäischen Staaten die
Forderung nach einer EU-Mitgliedschaft für sein Land schon 2027
bekräftigt. «Der Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union ist eine
der wichtigsten Sicherheitsgarantien nicht nur für uns, sondern für
ganz Europa», teilte Selenskyj nach einem Telefonat mit dem
österreichischen Bundeskanzler Christian Stocker mit. «Denn die
gemeinsame Stärke Europas ist insbesondere auch dank der ukrainischen
Beiträge in den Bereichen Sicherheit, Technologie und Wirtschaft
möglich.»
Obwohl es bisher keine Aussicht auf einen beschleunigten EU-Beitritt
für die Ukraine gibt und die Verfahren in der Regel langwierig sind,
betonte Selenskyj, dass er auf die Unterstützung der Partner setze.
Bei den Verhandlungen über eine Beendigung des russischen
Angriffskrieges gegen die Ukraine pocht er immer wieder auf
Sicherheitsgarantien. Hier sieht Selenskyj vor allem die USA am Zuge,
die auch zwischen Ukrainern und Russen vermitteln.
Der ukrainische Präsident hatte zuletzt auch erklärt, dass die
US-Sicherheitsgarantien ausgehandelt seien. Als Voraussetzung für das
Inkrafttreten der Garantien gilt aber eine Beendigung des Krieges.
Für einen Waffenstillstand verlangt Russland territoriale
Zugeständnisse der Ukraine, insbesondere einen Abzug der Truppen
Kiews aus den Gebieten Donezk und Luhansk - auch Donbass genannt.
Drängen die USA die Ukraine zur Aufgabe von Donezk?
Die «Financial Times» berichtete, dass Washington Druck ausübe auf
Kiew, sich auf ein Abkommen mit Moskau einzulassen. Für einen
Verzicht auf den Donbass stelle die Administration unter US-Präsident
Donald Trump der Ukraine nicht nur die Sicherheitsgarantien in
Aussicht, sondern auch eine Ausrüstung der Armee mit Waffen,
berichtete die Zeitung. Eine offizielle Bestätigung für diese Linie
gibt es nicht.
Die am Wochenende begonnenen trilateralen Gespräche zwischen
Ukrainern und Russen unter US-Vermittlung sollen an diesem Sonntag in
Abu Dhabi fortgesetzt werden. Selenskyj hat eine Vorverlegung des
Termins vorgeschlagen. Er sieht sich auch angesichts der schwierigen
humanitären Lage im Land nach den russischen Angriffen auf die
Energieinfrastruktur und den massenhaften Strom- und
Heizungsausfällen unter Handlungsdruck.
Selenskyj bedankte sich im Telefonat mit Kanzler Stocker auch für die
von Österreich bereitgestellte Hilfe für die Energiewirtschaft des
Landes. Stocker bezeichnete bei X die russischen Angriffe auf die
zivile Infrastruktur als Kriegsverbrechen. «Das muss jetzt aufhören»,
sagte er. Der Kanzler kündigte zudem drei Millionen Euro zusätzliche
Unterstützung für die Menschen sowie einen baldigen Besuch in der
Ukraine an. Die Ukraine verteidigt sich inzwischen seit fast vier
Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.
