Umweltausschuss gibt grünes Licht für Gentechnik-Regeln

28.01.2026 16:14

Künftig könnten in europäischen Supermärkten genveränderte
Lebensmittel verkauft werden, ohne speziell gekennzeichnet und
geprüft zu sein. Verbraucher sehen dann nicht mehr sofort, was Sache
ist.

Brüssel (dpa) - Die geplanten lockereren Gentechnik-Vorgaben in der
EU haben eine weitere Hürde genommen. Der Umweltausschuss des
Europäischen Parlaments stimmte der Einigung zu, die Unterhändler der
EU-Staaten und des Europaparlaments im Dezember gefunden hatten. 59
Abgeordnete stimmten dafür, 24 dagegen, zwei enthielten sich.

Die Einigung sieht vor, dass es künftig zwei Kategorien von
Gentechnik geben soll. Gentechnisch veränderte Lebensmittel, bei
denen weniger gravierende Eingriffe vorgenommen wurden, sollen auch
ohne spezielle Prüfung und ohne Kennzeichnung den Weg in den
Supermarkt finden. Wenn größere Eingriffe in das Erbgut vorgenommen
wurden, gelten weiterhin deutlich strengere Auflagen.

Wenn die neuen Vorgaben auch formell bestätigt werden, können
Verbraucher künftig nicht mehr auf den ersten Blick erkennen, ob sie
durch moderne Gentechnikverfahren veränderte Lebensmittel essen. Neue
Sorten unterliegen aber weiter der gesetzlich geregelten
Sortenprüfung und -zulassung.

Hoffnung auf resistente Sorten

Viele Forscher sehen Potenzial: So besteht die Hoffnung, etwa eine
Weizensorte zu entwickeln, die gegen die Pilzkrankheit Mehltau
resistent ist. Aber auch stressresistente Maispflanzen oder
allergenfreie Erdnüsse sind denkbar.

Befürworter hoffen auch, dass widerstandsfähige Pflanzen in der
Klimakrise helfen und Hunger lindern. Zudem erwarten Befürworter,
dass europäische Landwirte wettbewerbsfähiger werden.

Deutscher Umweltminister ist dagegen

Die geplanten Lockerungen sind umstritten. Unter anderem werden
wirtschaftliche Folgen für Landwirte befürchtet.

Bundesumweltminister Casten Schneider (SPD) hatte die Entscheidung im
Dezember als schweren Fehler bezeichnet. Gentechnikfreie
Landwirtschaft müsse möglich und bezahlbar bleiben. Es brauche
Lieferketten, die sicherstellten, dass gentechnisch veränderte von
gentechnikfreien Pflanzen und Produkten unterscheidbar seien,
forderte er.

Finale Zustimmung steht aus

Bevor die neuen Vorgaben in Kraft treten können, müssen noch
Mehrheiten im Europaparlament und innerhalb der EU-Staaten zustimmen.
Da es bereits einen informell ausgehandelten Kompromiss zwischen den
Institutionen gibt, ist das normalerweise Formsache.