Brüssel setzt auf harte Grenzen und wirbt um Fachkräfte

29.01.2026 12:29

Wer darf nach Europa? Die EU-Kommission zeichnet ihre Vision einer
strikteren Migrationspolitik, mit mehr Drittstaaten-Kooperationen und
Abschiebungen. Gleichzeitig sucht sie dringend Arbeitskräfte.

Brüssel (dpa) - Die Europäische Kommission will in den kommenden fünf

Jahren auf eine strikte Migrationspolitik setzen und gleichzeitig
Fachkräfte für die EU gewinnen. «Um diejenigen zu schützen, die
wirklich Schutz benötigen, und um im globalen Wettbewerb um die
besten Köpfe zu bestehen, müssen wir unsere Grenzen effektiv
kontrollieren», sagte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner. Der
österreichische Politiker fügte hinzu, der Missbrauch des Asylsystems
untergrabe das Vertrauen der Öffentlichkeit. 

Die Strategie für die Jahre 2026 bis Ende 2030 hat drei Ziele. Die
EU-Kommission will demnach irreguläre Migration und die Geschäfte von
Schleusern verhindern, Menschen vor Krieg und Verfolgung schützen,
ohne dabei einen Missbrauch des Systems zuzulassen und Fachkräfte für
die EU gewinnen. Um diese Ziele zu erreichen, fasst die Brüsseler
Behörde wiederum fünf Prioritäten ins Auge. 

«Mehrzweckzentren» entlang der Fluchtrouten 

Als Erstes nennt die Brüsseler Behörde dabei ihre Bemühungen, die
Zusammenarbeit mit Nicht-EU-Ländern auszubauen. Entlang der
Fluchtrouten sollen demnach mit Unterstützung der EU sogenannte
«Mehrzweckzentren» entstehen - Details dazu blieben zunächst unklar.
 

Zuletzt hatte die EU trotz der Kritik von Menschenrechtlern im Kampf
gegen unerwünschte Migration insbesondere Ägypten finanziell
unterstützt, damit Ägypten die Flüchtlinge bei sich behält. Das Lan
d
beherbergt nach Angaben der Vereinten Nationen derzeit etwa eine
Million Flüchtlinge aus Krisenländern, die teilweise versuchen, über

das Mittelmeer in die EU zu gelangen. Auch mit Libyen gibt es
umstrittene Kooperationen. 

Gleichzeitig will die EU-Kommission Druck auf Drittstaaten ausüben,
damit diese abgelehnte Asylbewerber zurücknehmen. «Schnelle, wirksame
und würdevolle» Abschiebungen seien für die Glaubwürdigkeit des
Asylsystems unverzichtbar, heißt es in der Strategie. Dabei setzt die
EU-Kommission auch auf ihre Visumpolitik. Demnach können visafreie
Regelungen für Drittstaaten ausgesetzt werden, wenn diese bei
Migrationsfragen nach Ansicht der EU nicht ausreichend mitwirken. 

Kommission bereitet sich auf verschärften Arbeitskräftemangel vor 

Neben der strikten Handhabung im Asylsystem soll mit der
Migrationsstrategie auch der Mangel an Arbeitskräften in bestimmten
Branchen in den Fokus rücken. «In den nächsten fünf Jahren werden
sich die Qualifikationslücken und der Arbeitskräftemangel in vielen
Schlüsselbranchen verschärfen», heißt es. Daher sollen auch hier
Partnerschaften mit Drittstaaten ausgebaut und Qualifikationen
schneller anerkannt werden. Drittstaatsangehörige und Arbeitgeber
sollen im Visaverfahren Unterstützung bekommen.