Korruptionsskandal: EU-Spitzenbeamter muss gehen

29.01.2026 17:08

Gratis-Flüge während der Verhandlung eines Flug-Deals: Wegen
mutmaßlicher Verwicklung in einen Korruptionsskandal verließ ein
Spitzenbeamter seine Stelle. Nun muss er die EU-Kommission ganz
verlassen.

Brüssel (dpa) - Wegen kostenlosen Business-Class-Flügen mit Qatar
Airways muss ein Spitzenbeamter der EU-Kommission seinen Hut nehmen.
Es sei in einem Disziplinarverfahren festgestellt worden, dass der
Mitarbeiter gegen geltende Vorschriften verstoßen habe, sagte
Vizepräsidentin Henna Virkkunen.

Wie es aus Kommissionskreisen heißt, beschloss das Kollegium der
EU-Kommissare, seinen Arbeitsvertrag zu beenden. Es gehe um den
estnischen Beamten Henrik Hololei. 

Anfang März 2023 war bekannt geworden, dass Hololei als Leiter der
Generaldirektion Verkehr und Mobilität der EU-Kommission mehrfach in
der Business Class mit Qatar Airways geflogen war, wobei die Kosten
von Dritten übernommen wurden. Zeitgleich verhandelte seine
Generaldirektion ein Flugabkommen mit dem Golfstaat Katar. Auch
Hotelkosten wurden nach damaligen Angaben der EU-Kommission
übernommen. 

Ein dienstrechtlicher Verstoß

Ende März 2023 wurde bekannt, dass Hololei um Versetzung gebeten
habe. Zu April wurde er von der Spitze der Generaldirektion Verkehr
als Berater zur Generaldirektion Internationale Partnerschaften
versetzt.

Es handle sich jedoch nicht um eine Straftat, sondern um einen
dienstrechtlichen Verstoß, heißt es aus Kommissionskreisen. Hololei
muss die Kommission Mitte Februar verlassen.

Der Golfstaat Katar steht auch im Fokus eines Bestechungsskandals
rund um das Europaparlament. In dem unter dem Namen Katargate
bekanntgewordenen Skandal geht es um mutmaßliche Einflussnahme auf
politische Entscheidungen durch die Regierungen von Katar und
Marokko. Gegen mehrere Menschen wurde Anklage erhoben.