Weber fordert Gespräche über europäischen Atomschirm

31.01.2026 13:38

Der französische Präsident hat schon 2020 einen europäischen
nuklearen Schutzschirm vorgeschlagen. Jetzt könnte das Projekt Fahrt
aufnehmen.

Zagreb (dpa) - Angesichts der Krise in den Beziehungen zwischen den
USA und Europa hat EVP-Chef Manfred Weber die Staats- und
Regierungschefs der EU aufgerufen, konkrete Gespräche über einen
europäischen nuklearen Schutzschirm aufzunehmen. Den Vorschlag des
französischen Präsidenten Emmanuel Macron, dafür das französische
Atomwaffenarsenal zur Verfügung zu stellen, sei gerade vor dem
Hintergrund der «neuen Entwicklungen in den USA» ein «großzügiges

Angebot», sagte er in Zagreb nach einem Spitzentreffen der
Europäischen Volkspartei, in der sich die konservativen Parteien
Europas zusammengeschlossen haben. 

«Deshalb bin ich absolut dafür, dass die Staats- und Regierungschefs
dieses Angebot wirklich aufgreifen, sich zusammensetzen und dann
überlegen, wie diese Option der französischen Atomwaffen für die
europäische Sicherheit genutzt werden kann», betonte der
stellvertretende CSU-Vorsitzende Weber. «Ich begrüße daher die
Initiative von Macron sehr und auch all diejenigen, die jetzt zu
dieser Diskussion beitragen. Das ist notwendig.»

Vorschlag stammt von 2020

Macron hatte Deutschland und anderen EU-Partnern bereits 2020 während
der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump Gespräche über eine

europäische Kooperation bei der atomaren Abschreckung angeboten. Bei
der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stieß er aber auf genauso
wenig Resonanz wie bei ihrem Nachfolger Olaf Scholz (SPD).
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich dagegen bereits im
Wahlkampf zu Gesprächen darüber bereit erklärt und das bei seinem
Antrittsbesuch in Paris als Bundeskanzler im Mai bekräftigt.

US-Arsenal deutlich größer als französisches 

Frankreich und Großbritannien, das der EU nicht mehr angehört, sind
die einzigen beiden europäischen Länder, die Atomwaffen besitzen.
Nach Schätzungen des Friedensforschungsinstituts Sipri verfügen die
USA über 1.770 einsatzbereite Atomwaffen und Frankreich über 280. 

Die atomare Abschreckung der Nato basiert derzeit auf den
US-Atomwaffen, von denen Schätzungen zufolge noch etwa 100 in Europa
stationiert sein sollen - einige davon auf dem Fliegerhorst Büchel in
der Eifel. Im Ernstfall sollen sie von Kampfjets der Bundeswehr
eingesetzt werden. Auch in Belgien, den Niederlanden, Italien und in
der Türkei sollen noch US-Atombomben stationiert sein. Offizielle
Angaben gibt es dazu nicht.