Irans Präsident: Streben keinen Krieg an - Reaktion auf EU

01.02.2026 08:38

US-Präsident Trump hat Teheran mit Militärschlägen gedroht. Er werde

kein Atomwaffenprogramm im Iran tolerieren. Nun gibt es Hinweise auf
Verhandlungen. Aber auch eine Reaktion auf eine EU-Maßnahme.

Teheran/Washington (dpa) - Irans Präsident Massud Peseschkian hat
sich nach erneuten militärischen Drohungen von US-Präsident Donald
Trump für eine friedliche Lösung des Konflikts mit Washington
ausgesprochen. Zugleich betrachtet der Iran die Bundeswehr und andere
Armeen europäischer Länder fortan als Terrororganisationen - eine
Reaktion auf die Einstufung der iranischen Revolutionsgarden (IRGC)
als Terrororganisation durch die Europäische Union.

Die IRGC gelten als Elitestreitkräfte der Islamischen Republik und
sind dem obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei unterstellt. Sie
wurden auch gegründet, um Putschversuche im Iran zu verhindern. Die
EU hatte ihre Entscheidung am Donnerstag wegen des grausamen
Vorgehens der Revolutionsgarden gegen die regierungskritischen
Proteste Anfang Januar getroffen. Bei den Demonstrationen gegen Irans
autoritäre Herrschaft wurden Tausende Menschen getötet.

Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf sagte nun, dass die
Armeen europäischer Länder nach der EU-Entscheidung als
terroristische Gruppen gelten. «Europa will mit diesen Maßnahmen
seinen Herrn, nämlich Amerika, zufriedenstellen», sagte er der
iranischen Nachrichtenagentur Isna zufolge.

Iran stellt sich auf Verhandlungen ein

Präsident Peseschkian betonte in einem Telefonat mit Ägyptens
Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi die Notwendigkeit, «diplomatische
Prozesse einzuleiten», wie Irans staatlicher Nachrichtenagentur Irna
berichtete. Der Iran habe «niemals einen Krieg angestrebt» und strebe
auch jetzt keinen Krieg an, sagte Peseschkian. Die Islamische
Republik sei «zutiefst davon überzeugt, dass ein Krieg weder dem Iran
noch den Vereinigten Staaten oder der Region nützen würde», hieß es
.

Teheran bereitet nach Angaben des obersten Sicherheitsbeamten des
Landes Verhandlungen vor. Der Generalsekretär des Nationalen
Sicherheitsrats, Ali Laridschani, schrieb auf X, entgegen der
«künstlich geschürten Kriegsrhetorik» der Medien würden «strukt
urelle
Vorbereitungen für Verhandlungen voranschreiten». Die Gespräche übe
r
Irans Atomprogramm nähmen «trotz der verschärften Drohungen einer
militärischen Konfrontation» Gestalt an, schrieb dazu die
Nachrichtenagentur Irna unter Bezugnahme auf Laridschanis X-Post. 

Das US-Nachrichtenportal «Axios» berichtete in diesem Zusammenhang,
Laridschani habe sich am Samstag in der iranischen Hauptstadt Teheran
mit Katars Ministerpräsidenten Mohammed bin Abdulrahman Al Thani
getroffen. Al Thani versuche, zwischen den USA und dem Iran zu
vermitteln, hieß es. 

Trump erhöht Druck

Trump hatte den Druck auf Teheran mit neuen Drohungen verstärkt. Es
seien weitere Kriegsschiffe Richtung Iran unterwegs - «und
hoffentlich werden wir einen Deal machen», sagte Trump im Weißen
Haus. Auf einem Flug nach Florida sagte er zu Journalisten: «Ich
hoffe, sie verhandeln etwas, das akzeptabel ist.» Dabei soll es neben
der Einstellung von Irans umstrittenem Atomprogramm auch um eine
Begrenzung der Entwicklung ballistischer Raketen im Iran gehen. 

Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte am Freitag erklärt, sein
Land sei sowohl für Verhandlungen als auch für Krieg bereit.
Verteidigungsstrategien und Raketensysteme würden niemals Gegenstand
von Verhandlungen sein. Er warnte die USA davor, dass ein
militärischer Konflikt diesmal über einen bilateralen Krieg
hinausgehen könnte. Im vergangenen Juni hatte das US-Militär im Iran
- flankierend zu israelischen Angriffen - Atomanlagen bombardiert.

Israel hatte zwölf Tage lang Krieg gegen den Erzfeind geführt. Die
USA sind der engste Verbündete Israels. Trump hat der Führung in
Teheran mehrfach mit Militärschlägen gedroht, auch im Zusammenhang
mit dem brutalen Vorgehen staatlicher Repressionskräfte gegen
Demonstranten bei den jüngsten regierungskritischen Protesten im
Iran. Dabei sollen Tausende, wenn nicht sogar Zehntausende Menschen
getötet worden sein. Das US-Militär hat seine Präsenz in der Region
seit Anfang Januar deutlich ausgebaut, etwa mit dem Flugzeugträger
«USS Abraham Lincoln» und dessen Begleitschiffen.

Irans Elitestreitkräfte halten Manöver ab 

Die iranischen Revolutionsgarden wollen heute vor dem Hintergrund der
militärischen Spannungen ein dreitägiges Manöver im Persischen Golf
beginnen. Daran sollen auch China und Russland teilnehmen.

Die Übung in der Straße von Hormus, bei der mit scharfer Munition
geschossen werden solle, dürfe die Freiheit der Schifffahrt und die
internationale Handelsschifffahrt in der wichtigen Meeresenge nicht
beeinträchtigen, hatte zuvor das für Nahost zuständige
US-Regionalkommando (Centcom) gewarnt.

US-Militär warnt vor Provokationen

Die rund 55 Kilometer breite Meerenge zwischen Iran und Oman gilt als
eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölexport.
Irans Einheiten hätten zwar das Recht, in internationalen Gewässern
und im internationalen Luftraum zu operieren, erklärte das US-Militär
in einer Mitteilung. Man werde aber keine «unsicheren» Manöver wie
etwa Flüge über US-Kriegsschiffe oder Stützpunkte in niedriger Höhe

tolerieren, hieß es weiter. Das gelte auch für das Annähern
iranischer Schnellboote auf Kollisionskurs mit US-Schiffen. 

Dazu schrieb Irans Außenminister Araghtschi auf X: «Das US-Militär,
das vor unseren Küsten operiert, versucht nun, unseren mächtigen
Streitkräften vorzuschreiben, wie sie auf ihrem eigenen Territorium
Zielübungen durchführen sollen.» Die Präsenz fremder Kräfte «in

unserer Region hat immer das Gegenteil von dem bewirkt, was verkündet
wird: Eskalation fördern statt Deeskalation.»