EU-Kommissar will «Made in Europe» etablieren

02.02.2026 13:26

Die Europäische Union will strategische Industrien stärken. Wer
öffentliche Gelder will, muss zur europäischen Produktion beitragen,
so die Forderung. Wie das in der Wirtschaft ankommt.

Brüssel (dpa) - EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné will die
Vergabe europäischer öffentlicher Gelder an Unternehmen an «Made in
Europe» knüpfen. «Wann immer europäische öffentliche Gelder
eingesetzt werden, müssen sie zur europäischen Produktion und zu
hochwertigen Arbeitsplätzen beitragen», schreibt Séjourné in einem

Gastbeitrag, der in mehreren europäischen Medien erschien, in
Deutschland im «Handelsblatt». 

Unternehmen, die von einer öffentlichen Ausschreibung, direkten
staatlichen Beihilfen oder einer anderen Form der finanziellen
Unterstützung profitieren wollen, müssten einen wesentlichen Teil
ihrer Produktion «auf europäischem Boden erbringen». Die gleiche
Logik solle auf ausländische Direktinvestitionen angewendet werden.
«Wir müssen ein für alle Mal eine echte europäische Präferenz in

unseren strategisch wichtigsten Branchen etablieren.»

«Made in Europe» vs. «America first»

Séjourné verweist darauf, dass viele Wirtschaftsmächte ihren eigenen

strategischen Sektoren den Vorzug gäben. US-Präsident Donald Trump
verfolgt eine «America first»-Politik und hat Waren aus vielen
Ländern mit Zöllen belegt. 

Séjournés Beitrag wurde von mehr als 1.000 europäischen Wirtschafts-

und Gewerkschaftsführern mitunterschrieben. Aus Deutschland etwa von
Markus Heyn, Geschäftsführer bei Bosch, Marie Jaroni, CEO von
Thyssenkrupp Steel Europe, und Michael Brecht, Gesamtbetriebsratschef
bei Daimler Truck.

Regierungschefs sprechen über Handel und Binnenmarkt

Die Europäische Union will die Wettbewerbsfähigkeit ihrer
Mitgliedsstaaten stärken. Darum soll es auch bei einem Sondergipfel
am 12. Februar gehen. Die europäischen Staats- und Regierungschefs
werden unter anderem über eine Stärkung des Binnenmarkts und die
Position der EU angesichts globaler Handelsungleichgewichte und
wirtschaftlicher Abhängigkeiten sprechen. 

Europa müsse seinen Handel stärken, aber auch «seine Unternehmen
durch gezielten Schutz in strategischen Sektoren vor unlauterem
Wettbewerb schützen», schrieb Ratspräsident António Costa in der
Einladung. Es brauche «Regeln, die in einigen strategischen Bereichen
eine Bevorzugung Europas ermöglichen», ebenso wie einen
«systematischen Ansatz zur Risikominderung in der Wirtschaft».